Liberia: Übergangspräsident Bryant tritt Amt an

16. Oktober 2003, 16:09
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Hoffnung auf Frieden nach 13 Jahren Bürgerkrieg

Monrovia - Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen hat Liberias neuer Übergangspräsident Gyude Bryant am Dienstag sein neues Amt angetreten. Vor dem Parlament in Monrovia legte er seinen Amtseid ab, bevor er seinen Stellvertreter Wesley Johnson vereidigte. Mit dem Amtsantritt des 54-jährigen Geschäftsmanns endet symbolisch die Ära des langjährigen Präsidenten Charles Taylor, die mit 13 Jahren fast ununterbrochenem Bürgerkrieg einherging. Bryant steht einer Übergangsregierung aus Vertretern der Bürgerkriegsmilizen, aller politischen Parteien und der wichtigsten zivilen Vereinigungen vor. Sie soll das Land bis zu Neuwahlen in zwei Jahren führen.

Vor welcher schwierigen Aufgabe der neue Präsident und sein Kabinett stehen werden, zeigten bereits die Hürden bei seinem Amtsantritt. Erst mit mehrstündiger Verzögerung konnte Bryant vereidigt werden, da sich die Abgeordneten des neuen Übergangsparlaments bis zuletzt nicht auf ihren Präsidenten und dessen Stellvertreter einigen konnten. Daraufhin wurde Bryant von der Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, Gloria Scott, vor dem Parlament in seiner alten Zusammensetzung vereidigt, in der die Vertreter von Taylors NPP die überwältigende Mehrheit haben. An der feierlichen Zeremonie nahm auch der ghanaische Staatschef John Kufuor in seiner Funktion als amtierender Präsident der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) sowie der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo teil, dessen Land Taylor Exil gewährte.

Auf Druck der beiden Rebellenbewegungen LURD und MODEL, die zunehmend die Kontrolle über Liberia gewannen, sowie auf internationalen Druck hatte Taylor am 11. August sein Amt niedergelegt und noch am selben Tag sein Land verlassen. Eine Woche später einigten sich die Bürgerkriegsparteien auf ein Friedensabkommen, das die Einsetzung einer Übergangsregierung vorsah. An deren Spitze wurde überraschend Bryant nominiert, der "neutralste" Kandidat für die Nachfolge Taylors. Für die für Oktober 2005 vorgesehenen Wahlen dürfen weder er noch die Mitglieder seines Übergangkabinetts kandidieren.

Vom nigerianischen Exil aus rief Taylor am Montag seine Anhänger auf, den Friedensprozess zu unterstützen. "Der Krieg ist zu Ende", erklärte der langjährige Kriegsfürst. Vorwürfe, er würde nach wie vor versuchen, Einfluss auf die Entwicklungen in seiner Heimat zu nehmen, wies er empört von sich. Dennoch warnte ihn Nigerias Präsident Obasanjo ausdrücklich davor, den Friedensprozess zu unterlaufen. Angesichts der prekären Lage galten vor der Vereidigung höchste Sicherheitsvorkehrungen: Soldaten der UNO-Friedensmission UNMIL riegelten die Umgebung vor dem Parlament ab; jeder, der das Gebäude betreten wollte, musste an fünf Sperren Kontrollen über sich ergehen lassen. (APA)

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    Bryant hat sich die Versöhnung der Liberianer und die Entwaffnung der Kämpfer zum Ziel gesetzt

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