Österreich Werbung-Chef Macho hat neuen Dienstvertrag abgelehnt

14. Jänner 2000, 16:00

Zukunft der beiden Geschäftsführer damit ungewiss

Der seit 1. Oktober amtierende zweite Geschäftsführer der Österreich Werbung (ÖW), Franz Josef Macho, hat den neuen Dienstvertrag abgelehnt, der Macho am Montag vom ÖW-Präsidium angeboten worden war, wie das Wirtschaftsministerium bestätigte. Damit bleibt die Zukunft Machos sowie des ersten ÖW-Geschäftsführers Michael Höferers weiter im Ungewissen. Die Eigentümervertreter werden am kommenden Montag über die weitere Vorgehensweise beraten.

"Eine ausführliche Stellungnahme" Machos zum neuen Vertrag, der dem Vernehmen nach nicht mehr die umstrittene Firmenpensionpension enthält, dafür eine Erhöhung des Bruttolohnbezugs um 40.000 S auf 180.000 S (13.081 Euro) monatlich vorsieht, war gestern Abend per Post an das ÖW-Präsidium geschickt worden, sagte der von Macho in dieser Sache betraute Rechtsanwalt Peter Amhof heute zur APA. Macho selbst wollte heute keinen Kommentar in dieser Sache abgeben.

Das ÖW-Präsidium hatte Macho nach monatelangen Querelen um seinen alten Dienstvertrag - in dem ihm Farnleitner eine Firmenpension von mindestens 100.000 S ab dem 60. Lebensjahr zugesichert hatte, was dem Stellenbesetzungsgesetz widersprechen soll - einen neuen Dienstvertrag angeboten und Macho eine Frist bis 15. Jänner 2000 gesetzt.

Die erneut diskutierte Umwandlung der Österreich Werbung in eine Aktiengesellschaft soll bei der nächsten Präsidiumssitzung am 25. Jänner diskutiert werden. Derzeit ist die ÖW als Verein organisiert und wird vom Bund zu 60 Prozent und von Wirtschaftskammer und Ländern zu je 20 Prozent finanziert.

Höferer hätte Dirimierungsrecht behalten - Gründe für Ablehnung dürften weniger finanzieller Art gewesen sein

Der Grund dafür, dass der zweite Geschäftsführer der Österreich Werbung (ÖW) Franz Josef Macho heute den neuen Dienstvertrag abgelehnt hat, dürfte weniger finanzieller Art gewesen sein, wurde in der Branche vermutet. Vielmehr dürfte für Machos Entscheidung die Tatsache entscheidend gewesen sein, dass der erste ÖW-Geschäftsführer Michael Höferer weiterhin das "letze Wort" behalten hätte, obwohl die neuen Statuten der ÖW zwei gleichberechtigte Geschäftsführer vorsehen.

In Höferers Dienstvertrag, der noch bis Ende 2000 gültig ist, war ein Dirimierungsrecht (Letztentscheidung) verankert. Hätte Macho dem neuen Vertrag zugestimmt, hätten sich die beiden Geschäftsführer bis 20. Jänner auf eine Geschäftsordnung einigen müssen. Höferer hätte unter der Bedingung der Verlängerung seines Vertrags um weitere fünf Jahre zwar dem Verzicht auf das Dirimierungsrecht zugestimmt.

Bis zuletzt herrschte zwischen den beiden Chefs jedoch Uneinigkeit darüber, wie die drei großen Geschäftsfelder Marketing, Finanzen und Personal auftzuteilen seien. Das Präsidium hatte vorgesehen, dass Höferer den Bereich Marketing behalte und Macho sich um Finanzen und Personal kümmere.

Proporz und Parteipolitik hatten in den vergangenen Monaten in der ÖW ein Vertragschaos ausgelöst. Im September 1999 war dem bis dato alleinigen "roten" Geschäftsführer Michael Höferer mit Franz Josef Macho ein "schwarzer" Co-Vorstand zur Seite gestellt worden. Dem Ex-Imperial-Chef hatte Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner jedoch eine großzügige Firmenpension zugesagt. Gemäß Stellenbesetzungsgesetz sind Firmenpensionen jedoch in Unternehmen, an denen der Bund mehrheitlich finanziell beteiligt ist (60 Prozent des ÖW-Budgets kommen vom Bund), verboten. Am Montag war Macho nun ein neuer Vertrag angeboten worden, der keine Zusatzpension, dafür eine Erhöhung des Aktivbezugs um 40.000 S auf 180.000 S vorsieht. Dieser Vertrag wurde heute von Macho abgelehnt.

Wie es mit den beiden Geschäftsführern des Marketingvereins, der über ein Jahresbudget von 640 Mill. S verfügt, weitergeht, soll am Montag von den ÖW-Eigentümervertretern entschieden werden. (APA)

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