Spezialisten üben Kritik

14. Oktober 2003, 14:18
posten
Wien - Seit mindestens zwei Jahren herrscht in der Bundeshauptstadt offenbar eine Knappheit an Dialyseplätzen für Menschen, die nach endgültigem Nierenversagen eine regelmäßige Blutwäsche benötigen. Am Dienstag kritisierte der Leiter der Abteilung für Nephrologie und Dialyse an der Universitätsklinik für Innere Medizin II am Wiener AKH, Univ.-Prof. DDr. Walter Hörl, die Situation heftig.

"Für uns ist die gegenwärtige Situation sehr belastend. Wir sind in Westeuropa die einzige Stadt, in der in vier Schichten dialysiert werden muss. Wir haben diesen Engpass, obwohl wir ohnehin 30 Prozent der Patienten in Heimdialyse versorgen. Seit zwei Jahren haben Vier-Sicht-Betrieb. Diese vier Schichten sind für Patienten inakzeptabel und wird nicht nur von uns und anderen Kollegen abgelehnt", meint der Experte.

Mitten in der Nacht

Das führt laut Hörl dazu, dass die letzten Patienten eines Tages erst am späten Abend mit der belastenden Therapie beginnen könnten - Dialyse mitten in der Nacht. Wie der Fachmann sagte, hätte das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) für Wien einen zusätzlichen Bedarf von 50 Dialyse-Plätzen bis zum Jahr 2015 errechnet.

Man benötige die aber wahrscheinlich schon im Jahr 2007. Da es in Niederösterreich regional einen Mangel an Dialyse-Plätzen (südliches Niederösterreich) gebe und bis zu 15 Patienten in Wien mitversorgt würden, habe sich die Situation eben verschärft. Patienten aus dem südlichen Niederösterreich stundenlang zur Dialyse in Waldviertel zu fahren, sei wohl auch nicht möglich. (APA)

Share if you care.