Zukunftsvorsorge boomt weiter

16. Oktober 2003, 19:16
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Bislang haben sich 120.000 Österreicher für die staatlich geförderte Anlageform entschieden

Wien - Die staatliche geförderte Zukunftsvorsorge hat sich laut einer Umfrage zur beliebtesten Anlageform der Österreicher entwickelt, sagte der Kapitalmarktbeauftragte der Regierung, Richard Schenz, am Dienstag in Wien bei einem Pressegespräch anlässlich des Starts der Gewinn-Messe. Bisher seien 120.000 Verträge abgeschlossen worden. Bis Jahresende erwartet sich Schenz rund 200.000 Vertragsabschlüsse.

Dritte Säule

"Es geht aufwärts mit dem österreichischen Kapitalmarkt", so Schenz. Die Wiener Börse habe sich in den letzten drei Jahren um 50 bis 70 Prozent besser entwickelt als die internationalen Börsen. "Die Zukunftsvorsorge wird sich ähnlich wie das Bausparen entwickeln", sagte Schenz. Er rate jedem jungen Menschen, eine dritte "Säule" abzuschließen.

Die österreichischen Anleger forderte Schenz auf, ihr Geld in Österreich anzulegen. Das Geldvermögen in Österreich sei hoch, der größte Teil davon werde aber in ausländischen Fonds veranlagt. "Wir haben ein hohes Geldvermögen in Österreich", so Schenz. Ein Grund für die geringere Veranlagung im Inland sieht Schenz im zu geringen Angebot an Kapitalmarkt-Produkten, etwa von börsenotierten Unternehmen. Dies, obwohl es in Österreich ausgezeichnete Firmen gebe. Bei der Privatisierung, etwa von ÖIAG-Unternehmen, wäre ihm deshalb ein Börsegang am liebsten, ausgenommen, das Unternehmen benötige einen strategischen Partner, sagte Schenz.

Marktkapitalisierung gestiegen

Die Marktkapitalisierung der Wiener Börse sei durch Kurssteigerungen und die Rückkehr einiger Titel von "lächerlichen" 13 Prozent auf 19 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gestiegen. Der Durchschnitt in Europa liege bei 80 Prozent. Um die Marktkapitalisierung zu erhöhen, müsse auch das Thema "Securitisation" - die Verbriefung von Forderungen und deren Platzierung durch Banken - angegangen werden. In Spanien entwickle sich dieses Produkt sehr gut und habe den Kapitalmarkt belebt. Auch in Deutschland werde dies ins Auge gefasst. Im Spätherbst will Schenz dem Finanzminister die Punktation eines Asset-Backed-Securities (ABS)-Gesetzes vorlegen.

Wichtig sei auch die Schaffung eines Risikokapitalmarktes für den Mittelstand, so Schenz weiter. Auch müsse der Kapitalmarktzugang für KMUs erleichtert werden. Schenz kritisierte, dass KMUs von Analysten kaum analysiert werden.

Vetrauen zählt

Das Schaffen von Vertrauen zählt laut Schenz zu den wichtigsten Aufgaben des Aktionsplanes für die Wiener Börse. Aus diesem Grunde sei auch das Kapitalmarkt-Kuratorium gegründet worden, um etwa bereits an Schulen über das Funktionieren von Kapitalmärkten zu informieren. Im Zusammenhang mit dem Thema Vertrauen finde der Corporate Governance Kodex große Beachtung. Die Mehrheit der ATX-Unternehmen werde sich diesem anschließen. Eine derzeit noch laufende Umfrage werde man im November veröffentlichen, so Schenz. (APA)

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