WK: Jeder zweite Frächter "im roten Bereich"

17. Oktober 2003, 19:12
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Wirtschaftskammer warnt angesichts der Einführung der Lkw-Maut vor einer Steigerung der Transportkosten um bis zu 30 Prozent

Wien - "Die Hälfte des Güterbeförderungsgewerbes fährt im roten Bereich spazieren", erklärte am heutigen Dienstag der stellvertretende Obmann des Güterbeförderungsverbandes, Nikolaus Glisic, vor Journalisten. Für viele von ihnen würde die geplante Lkw-Maut das endgültige Aus bedeuten, schließlich würden sich durch die Maut ab 1. Jänner 2004 die Transportkosten um 15 bis 30 Prozent erhöhen. Diese Mehrkosten könnte die Branche nicht selber tragen und müsste sie weiter geben.

Inzwischen hätten auch schon die ersten Lebensmittelhersteller von Preiserhöhungen gesprochen, wobei sich der Fachverband dagegen wehrt, dass Preissteigerungen anderer Wirtschaftsverbände automatisch auf die Erhöhung der Frachtgebühren zurückgeführt werde.

Nach Berechnungen des Fachverbandes Güterbeförderung sind 60 bis 70 Prozent der österreichweit 300.000 Lkw mit über 3,5 Tonnen höchst zulässigem Gesamtgewicht vom Road Pricing betroffen, wobei 90 Prozent davon als Werkverkehr, also von Unternehmen die nicht im Transportgewerbe tätig sind, betrieben werden. Diese seien es auch, die sich noch zu wenig auf das Road Pricing vorbereitet hätten, während die Frächter zu 40 bis 50 Prozent schon die erforderlichen "Go-Boxen" für die Mautabbuchung besorgt hätten.

Neben der Lkw-Maut bereitet den Transporteuren auch die EU-Osterweiterung Kopfzerbrechen. Der Fachverband erwartet sich unterm Strich, dass durch die EU-Osterweiterung "die österreichischen Transporteure diesmal tendenziell auf der Verliererseite sein werden". Schließlich hätten die Ostfrächter nicht nur steuer- und sozialrechtliche Vorteile, sondern auch die jüngsten und modernsten Lkw-Flotten in Europa. Gleichzeitig hätten sich die Ost-Frächter sehr gut auf die Marktöffnung vorbereitet, während sich in Österreich in den letzten Jahren die Güterbeförderer mit viel zu großen Flotten einen teils ruinösen Preiskampf geliefert hätten, übte Glisic Selbstkritik.

Die Flucht ins östliche Ausland sei aber für die heimischen Transporteure nicht automatisch die richtige Antwort, so Güter-Fachverbands-Obmann Rudolf-Christian Bauer. Dies mache nur dann Sinn, wenn dann auch die lokalen Märkte bedient werden. Nach Tschechien zu ziehen, um günstiger in Österreich zu fahren, sei ein gefährlicher Trugschluss.

Wie es nach einem möglichen Auslaufen des Transitvertrages auf EU-Ebene mit den europäischen Transitbestimmungen weiter geht, weiß man beim Fachverband nach Eigenangaben nicht. Am liebsten wäre den Transporteuren "natürlich ein komplettes Streichen der Ökopunkte", so Glisic. Das sei aber unwahrscheinlich, ein gangbarer Kompromiss wäre eine Lockerung der Ökopunktebestimmungen, worauf auch die österreichische Regierung drängen sollte. Wie viele Ökopunkte dann auf die einzelnen osteuropäischen Beitrittsländer entfallen werden, könne derzeit nicht einmal Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) sagen, so die Verbandsvertreter.

Zur ÖBB-Reform meinten sowohl Bauer wie Glisic, dass man noch nicht sagen könne, "was rauskommt". Der Güterverkehr der Bahn sei jedenfalls die "Cash Cow" der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und werde der Gewinner der geplanten Reform sein, während der Personenverkehr auf der Verliererschiene fahren werde. Hätte die Politik "genug Mut, die Infrastruktur neutral zu gestalten", sprich ohne politische Verflechtungen und ohne die Vermischung mit anderen ÖBB-Bereichen, wäre sie auch für Transporteure interessant. Bauer: "Bei mir haben schon einige wegen Bahnlizenzen angefragt." (APA)

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