Österreichischer Transplantations-Kongress sucht Organ-Spender

20. Oktober 2003, 12:13
posten

Wartezeiten für Verpflanzungen zu lange

Linz - Der diesjährige Kongress der "Österreichischen Gesellschaft für Transplantation, Transfusion und Genetik" ab Mittwoch in Gosau (Bez. Gmunden) in Oberösterreich sucht Organspender. Da das Aufkommen an geeigneten Organen zu gering ist, sind die Wartelisten für Organtransplantationen lang - Tendenz steigend.

Zu wenige SpenderInnen

Der Tagungspräsident, der Chirurg Rainhold Függer vom Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, verwies in einer Pressekonferenz anlässlich des Kongresses darauf, dass in Österreich die Zahl der Transplantationen im internationalen Vergleich bezogen auf die Einwohnerzahl sehr hoch sei, ebenso die hohe medizinische Qualität.

Aber er machte am Beispiel Nierentransplantationen auf ein Problem aufmerksam: Jedes Jahr kämen zusätzliche tausend Österreicher zur Dialyse, weil ihre Nieren nicht mehr richtig funktionieren. Sie wären Kandidaten für eine Transplantation. Doch pro Jahr werden nur etwas mehr als 400 Nieren an den Transplantationszentren in Wien, Innsbruck, Linz und Graz verpflanzt. Der Grund dafür: Es gebe zu wenig Spender - nicht zuletzt deshalb, weil dank der Medizin immer mehr Menschen schwere Unfälle überleben.

Zweieinhalb Jahre Wartezeit

Die Wartezeit für eine Nierentransplantation beträgt derzeit im Schnitt rund zweieinhalb Jahre. Für einen Teil der Patienten ist das zu lang, sie sterben in der Zwischenzeit. Bei dem Kongress in Gosau sollen Möglichkeiten besprochen werden, wie die Zahl der gespendeten Organe gesteigert werden kann.

Unter anderem sollen die Ärzte in allen Krankenhäusern angeregt werden, bei Todesfällen mehr an Organspenden zu denken. In Oberösterreich wurde zudem ein jederzeit ansprechbares Hirntod-Team sowie ein darauf spezialisiertes Organentnahmeteam eingerichtet, das von Linz aus zu dezentralen Spitälern fährt, wenn von dort mögliche Organspenden gemeldet werden. Das steigerte in den vergangenen Jahren das Organ-Aufkommen.

Positive Grundstimmung

Weiters wollen sich die Transplantations-Ärzte zur Schaffung eines "positiven Grundstimmung" verstärkt an die Bevölkerung wenden. Damit soll unter anderem die Zahl der Lebendspenden - meist von den medizinisch am besten geeigneten Verwandten - gesteigert werden.

Zudem soll ganz allgemein für Organspenden geworben werden. In Österreich gilt die gesetzliche Regelung, dass Organentnahmen an Toten nur verboten sind, wenn der mögliche Spender noch zu Lebzeiten bei einem zentralen Register seinen Einspruch deponiert hat. Dennoch werden die Angehörigen zusätzlich informiert und ihre Einwände berücksichtigt. Die Ärzte argumentieren bei diesen Gesprächen damit, dass mit einer Organspende das Leben eines anderen Menschen gerettet oder zumindest seine Lebensqualität erheblich verbessert werden kann. (APA)

Share if you care.