Graz: Sonder-Gemeinderat wegen Kommod-Haus

15. Oktober 2003, 10:05
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Die letzten Mauerreste fielen am Montag - Bürgermeister Nagl unter Beschuss - Untersuchungsausschuss soll Vorgänge klären

Der Abbruch eines Biedermeier-Hauses in der Grazer Innenstadt beschäftigt am Dienstag Nachmittag den Grazer Gemeinderat in einer Sondersitzung. Während die ÖVP auf die Rechtslage verweist und für die Zukunft legistische und administrative Verbesserungen vorschlägt, werfen SPÖ, KPÖ und Grüne VP-Bürgermeister Siegfried Nagl politisches Versagen vor. Voraussichtlich gemeinsam wird man die Einsetzung einer Untersuchungsausschusses beschließen, der die Vorgänge penibel aufrollen soll.

Baugebrechen

Bereits seit 15 Jahren ist das so genannte Kommod-Haus (in dem Haus Ecke Einspinnergasse - Burggasse befanden sich die Szene-Lokale "Kommod" und "Triangle", Anm.) wegen Baugebrechen aktenkundig. Während die Pächter noch zuletzt in ihre Lokale investierten, wartete der Hausbesitzer, eine renommierte Immobilienfirma, auf die Möglichkeit, das Gebäude anderweitig zu verwerten. Am 13. März erteilte die Behörde schließlich den Abbruchbescheid. "Ich habe den Bescheid geerbt", beruft sich der heute zuständige VP-Stadtrat Detlef Eisel-Eiselsberg auf die Rechtslage. Seiner Meinung nach obsiege das Baurecht über den Denkmalschutz - eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht mehr zumutbar gewesen.

"Illegal" und nicht notwendig

Anders die Meinung des Denkmalschutzes und von Gutachtern, die den Abbruch "illegal" bzw. als nicht notwendig bezeichneten. Im Stadtsenat kam es im September zu einer Kraftprobe, eine Mehrheit von SPÖ und KPÖ wollte den Bescheid beheben, nach weiteren Gutachten, in dem von "Gefahr in Verzug" gesprochen wurde, und der Einholung der Rechtsmeinung der Oberbehörde zog die SPÖ zurück. Unterdessen lief eine Unterschriftenaktion zur Rettung des "Kommod", Gäste demonstrierten und besetzten mit Politiker-Unterstützung kurzfristig das Lokal. Der Fall nahm endgültig Züge einer Farce an, als die Baubehörde - in Vollziehung des Baurechts und des Denkmalschutzes - fast gleichzeitig einander widersprechende Bescheide ausstellte und SPÖ-Feuerwehrreferent Walter Ferk den Assistenz-Einsatz bei den Abbrucharbeiten verweigerte.

"Task Force"

Die letzten Mauerreste des "Kommod-Hauses" fielen am Montag, am Tag vor der Gemeinderatssitzung. Während nun die ÖVP darauf hinarbeitet, durch gesetzliche Änderungen die wirtschaftliche Zumutbarkeit neu zu fassen und durch eine "Task Force" der Baupolizei ein rechtzeitiges Handeln bei Denkmal geschützen Bauten sicherzustellen, wollen SPÖ, KPÖ und Grüne auch Bürgermeister Nagl in seiner Gesamtverantwortung festnageln: "Er hat das Haus als Schandfleck bezeichnet und hat nie ernsthaft versucht, das Haus zu retten", hieß es aus dem Büro von SP-Vizebürgermeister Ferk. Zu einem Misstrauensvotum, das im Raum gestanden war, wird es aber aller Voraussicht nach nicht kommen. (APA)

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    Nach längeren Diskussionen wurde das Grazer Kommod-Haus abgerissen.

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