Iran: Großer Empfang für Friedennobelpreisträgerin Ebadi

16. Oktober 2003, 10:34
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Massendemonstration von Reformanhängern am Flughafen - Für Khatami war Preisvergabe "rein politisch motiviert"

Teheran - Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi ist am Dienstagabend von Paris kommend unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihre Rückkehr wurde zu einer Massendemonstration: Tausende von Iranern säumten die Straßen in der Umgebung des Mehrabad-Flughafens außerhalb der Hauptstadt Teheran. Der Flughafen selber war von Polizei und Sicherheitskräften völlig abgeriegelt. Vor dem Ausgang hatten sich etwa 5000 Menschen versammelt. Sie skandierten Parolen wie "Ein Souvenir von Ebadi ist Frieden und Freiheit".

Preis "für alle"

Die 56-jährigen Juristin dankte den Gratulanten, die in die VIP-Lounge des Flughafens zu ihr vorgelassen wurden, darunter auch zahlreiche Parlamentsabgeordnete des reformorientierten Flügels. "Dieser Preis gehört nicht mir. Er gehört dem ganzen iranischen Volk. Er gehört allen, die sich um Menschenrechte und Demokratie bemüht haben", sagte sie. Ebadi hatte in der vergangenen Woche an einer Konferenz in Paris teilgenommen und war dort am Freitag von der Nachricht der Nobelpreisvergabe überrascht worden. Ebadi verließ den Flughafen, ohne mit den versammelten Menschen zu sprechen. Sie wurde in einem Auto weggefahren.

Symbolische Kleiderwahl

Ihre Anhänger vor dem Flughafengebäude jubelten schon, als die Landung ihres Flugzeugs bekannt gegeben wurde. Viele trugen als Symbol ihres Wunsches für einen friedlichen Wandel weiße Kleidung und hatten weiße Blumen in der Hand. Rund um den Flughafen wurden starke Kontingente von Sicherheitskräften aufgeboten. Es gab einen riesigen Verkehrsstau, so dass zahlreiche Anhänger Ebadis ihre Autos stehen ließen und zu Fuß zum Flughafen weitergingen.

Khatami: "Preisverleihung politisch motiviert"

Zuvor hatte sich Präsident Mohammed Khatami erstmals zur Preisverleihung an Ebadi geäußert und von einer rein politisch motivierten Entscheidung gesprochen. Khatami erklärte vor Journalisten, er freue sich darüber, dass gerade eine Iranerin geehrt worden sei. Der Nobelpreis sei ihr jedoch nur aus politischen Erwägungen verliehen worden. Er hoffe, dass die Auszeichnung dem Wohl des iranischen Volkes und der ganzen Welt diene. Im Grunde aber sei der Friedensnobelpreis nicht viel wert - im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen, die für wahre Leistungen vergeben würden.

Die staatlichen iranischen Medien hatten am Freitag nur zögerlich und mit mehrstündiger Verspätung über die Ehrung Ebadis berichtet, Politiker hielten sich mit Stellungnahmen zurück. Beobachtern zufolge sehen die Reformer, die von Khatami weitgehend enttäuscht sind, in Ebadi eine Verbündete im Kampf gegen den Klerus. Konservative Kreise verurteilen ihre engagierten Kampagnen und werten die Nobelpreisvergabe als Versuch des Westens, die islamische Republik zu schwächen.

Das Nobelkomitee in Oslo hatte am vergangenen Freitag den mutigen Einsatz der Juristin für Demokratie und Menschenrechte gewürdigt. Ebadi wollte am Mittwoch in Teheran ihre erste Pressekonferenz als Friedensnobelpreisträgerin geben. (APA/dpa/AP)

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    Friedensnobel- preisträgerin Shirin Ebadi

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