Ioan Holender: Direktor nun bis 2010

14. Oktober 2003, 20:39
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Vertrag zum vierten Mal verlängert

Wien - Dienstagvormittag um 10.45 Uhr ließ VP-Kunststaatssekretär Franz Morak eine Presseaussendung veröffentlichen, die bestätigte, was DER STANDARD bereits am Montag als dessen Plan berichtet hatte: die "Vertragsverlängerung von Staatsoperndirektor Ioan Holender bis 2010". Unmittelbar davor hatte Morak den Aufsichtsrat der Staatsoper über seine Entscheidung informiert: Auf sein Geheiß war die Tagesordnung kurzfristig von Georg Springer, dem Chef der Bundestheaterholding, als Vorsitzendem adaptiert worden.

Dem Bundestheaterorganisationsgesetz wurde damit Genüge getan. Die Oppositionsparteien jedoch echauffierten sich: "Die Verlängerung ist erneut eine freihändige Vergabe von Posten durch den Wiederholungstäter Franz Morak", meinte Eva Glawischnig, Kultursprecherin der Grünen. Und Christine Muttonen, die Kollegin von der SP, fragt "irritiert", ob der Staatssekretär "so wenig Vertrauen in die aktuelle Stabilität des schwarz-blauen Regierungsexperiments hat, dass er erneut den höchst umstrittenen Weg wählt, überfallsartig ohne Ausschreibung zu verlängern".

Tatsache ist, dass der Vertrag nun bereits zum vierten Mal verlängert wurde. Möglich war dies nur, weil die Staatsoper (wie auch die anderen Häuser des Bundestheaterverbands) seit dem Jahr 2000 als GmbH geführt wird: Eine recht dubiose Übergangsklausel besagt, dass die Verträge der ersten Geschäftsführer theoretisch ad infinitum ohne Ausschreibung verlängert werden können. Diese Interpretation des fehlerhaften Gesetzes war notwendig geworden, weil der Staatssekretär im März 2001 den Vertrag von Holender ohne ersichtlichen Grund um zwei Jahre bis 2007 verlängerte: Mit einem Gutachten bewahrte Springer, ein Jurist, Morak, der einst selbst am Gesetz mitgearbeitet hatte, vor gröberen Schwierigkeiten.

Damals meinte Holender, es sei schön, wenn die Politik unabhängig von der Notwendigkeit reagiere: Eine Entscheidung wäre erst im Herbst 2001 fällig gewesen. Nun, zweieinhalb Jahre später, war sie erneut fällig: Holender fragte im Staatssekretariat nach, wie es denn mit der Staatsoper ab 2007 weitergehen werde. Alternativen dürfte man sich keine überlegt haben: Morak begründete die Vertragsverlängerung dahingehend, dass es eben "jetzt erforderlich" sei, eine Entscheidung zu treffen, denn "nur so ist über das Jahr 2007 hinaus Planungssicherheit gewährleistet".

Holender brauchte nicht groß überredet werden, auch wenn er 2001 behauptet hatte, seine Amtszeit werde sicher nicht über 2007 andauern: Die Zusammenarbeit mit Musikdirektor Seiji Ozawa sei erfolgreich, in den zwei Saisonen bis 2009 will er einen neuen Ring herausbringen (als Dirigent ist Franz Welser-Möst vorgesehen, der auch die Leitung der Arabella-Premiere übernimmt). Und damit Holender den Ring komplett viermal spielen kann, gibt's die Saison 2009/10 als Draufgabe.

Ob er diese und andere Pläne (Holender will u. a. Regisseur Peter Konwitschny verpflichten) realisieren kann, sei, meint der Direktor, allerdings noch fraglich. Denn er könne die Auslastung von durchschnittlich 96 Prozent - und damit die Einnahmen - nicht weiter steigern. Umgekehrt weigere er sich, ein Zauberflöte-Traviata-Programm zu fahren. Da aber die Kosten gestiegen seien und steigen, müsse es daher spätestens 2005 zu einer Aufstockung der Basisabgeltung, die seit 1995 gedeckelt ist, kommen.

Aufgrund der Vertragsverlängerung verschiebt sich auch der Wunsch des Direktors, mit einer zeitgenössischen Oper beziehungsweise einer Uraufführung abzutreten, um weitere drei Jahre - auf Mai 2010. Sollte Holender bis dahin in Amt und Würden bleiben, wird er 75 Jahre alt und der längstdienende Staatsoperndirektor in der Geschichte sein: Er wird das Haus 19 volle Jahre (das erste davon zusammen mit Eberhard Waechter) geleitet haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2003)

Von
Thomas Trenkler
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