Forscher zahlt, nicht Leser

13. Oktober 2003, 21:00
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Neues Wissenschaftsmagazin kostenlos im Internet

San Fancisco/Wien - Nicht der interessierte Leser zahlt, sondern der forschende Publizist: Seit gestern, Montag, ist ein Wissenschaftsmagazin online, das mit einem neuen Konzept zwei Ziele erreichen will. PLoS Biology will Ergebnisse der Spitzenforschung uneingeschränkt einer breiten Öffentlichkeit zukommen lassen - ist deshalb für den Medienbenützer gratis. Und es soll für renommierte Fachblätter wie Cell, Science und Nature zu einem derart starken Konkurrenten werden, dass auch diese Magazine für Konsumenten endlich kostengünstiger werden - immerhin zahlt man für ein Jahres-Abo von Nature knapp 1000 Euro.

"PLoS" steht für "Public Library of Science", einen Zusammenschluss namhafter internationaler Wissenschafter mit Sitz in San Francisco. Ausgestattet mit einer Spende von umgerechnet 7,7 Millionen Euro der Gordon and Betty Moore Foundation "haben wir am Montag eine Revolution in der wissenschaftlichen Publizistik eingeläutet", erklärte Herausgeberin Vivian Siegel, Mathematikerin und Biochemikerin, die bereits für Cell und andere Journals gearbeitet hatte: Da es unfair sei, die Öffentlichkeit, die mit ihrer Steuerleistung die Wissenschaft subventioniert, für das Lesen der Forschungsergebnisse noch einmal zur Kasse zu bitten, zahlt stattdessen der Wissenschafter: 1280 Euro kostet die Veröffentlichung einer Arbeit in PLoS Biology. Für den medizinischen Sektor soll ab Mitte nächsten Jahres PLoS Medicine erscheinen.

Die Namen der Autoren und die Anzahl der Arbeiten in der ersten Ausgabe scheint auf großen Zuspruch seitens der Forscher zu stoßen. Vielleicht deshalb, weil das Magazin dieselben Qualitätsansprüche in die Publikationen (Peer-Review-Verfahren) setzt wie alle anderen Top-Journals auch. Weiters werden die oft hoch spezifischen Themen von erklärenden Artikeln für interessierte Laien begleitet. (fei/DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2003)

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