Stoppt den Rosenkrieg - Von Helmut Spudich

20. Oktober 2003, 14:29
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Eine Schlichtungsstelle muss her

Wenn zwei Parteien heftig streiten, ist in der Regel auf beiden Seiten etwas schief gegangen. Und die Natur von Konflikten ist es, sich immer mehr aufzuschaukeln, wofür so manche Scheidung filmreife Belege liefert. In der Auseinandersetzung zwischen den AUA-Piloten und dem AUA-Vorstand ist diese Situation eingetreten, und es bedarf dringend einer Schlichtung, wenn nicht eine kaputte Firma am Ende des Rosenkriegs stehen soll.

Dabei liegt Eskalation in der Natur von Streiks, denn in der Regel gehen dem Arbeitskampf lange, ergebnislose Gespräche voraus - in diesem Fall bereits seit Jahresbeginn. Jetzt liegen die Nerven blank, was einstweilige gerichtliche Verfügungen ebenso wie heftige öffentliche Äußerungen zeigen.

Was ist zu tun? Die Einsicht, dass beide Teile mehr zu verlieren als zu gewinnen haben, ist Voraussetzung für eine Schlichtung. Der Aufsichtsrat könnte diese Einsicht bei seinem Management befördern, die nicht unmittelbar involvierte Belegschaft - die Mehrheit in der AUA-Gruppe - bei ihren fliegenden Kollegen. Dann braucht es eine Schlichtungsstelle; in österreichischer Tradition sind das die Sozialpartnerspitzen. Denkbar wäre aber genauso gut die Bestellung eines Schiedsgerichts, oder - wie dies in Deutschland geregelt ist - eines Mediators.

Im Falle der Lufthansa, die 2001 in einem heftigen Tarifstreit steckte, hatte diese Rolle der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher übernommen. Und das Ergebnis zeigt, dass um des Friedens willen beide Seiten mit Überraschungen rechnen müssen - der Konflikt bei der Lufthansa endete mit einer unerwartet kräftigen Gehaltserhöhung für die Piloten. Es kann aber auch das Gegenteil herauskommen - das ist die Natur von Schlichtungen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 14.10.2003)

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