Ein Sekretär, der endlich einmal Chef ist

14. Oktober 2003, 14:20
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Karl Klein (54) ist neuer Vorsitzender der Christlichen Gewerkschafter

Hätte Karl Klein auf seine Frau gehört, dann wäre alles beim Alten geblieben. Er wäre weiter Bundessekretär der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) und der Mann im Hintergrund. Doch Klein wollte in die erste Reihe: Seit Montag ist er FCG-Chef und Nachfolger von Fritz Neugebauer in dieser Funktion. Das Amt des ÖGB-Vizepräsidenten soll folgen.

Der 54-Jährige ist seit 32 Jahren in der Gewerkschaft. Seine Sekretärslaufbahn startete in der GPA-Rechtsabteilung, seit 1991 ist er Bundessekretär bei der FCG.

Auch wenn er sein Hobby zum Beruf gemacht hat, seine Berufung hat der zweifache Vater immer woanders gesehen: Klein wollte Priester werden. Das Zölibat sei schuld, dass daraus nichts wurde: "Ich würde das auch heute noch gerne werden. Ich war aber nie dazu bereit, auf eine Partnerschaft zu verzichten."

Klein beschreibt sich selbst als "Mann des Apparats" und ist stolz darauf: "Ich kenne den ÖGB in- und auswendig. Und ich kenne alle Funktionäre sehr gut." Vielleicht setzte er sich deshalb in der Wahlkommission so klar mit 27 zu fünf Stimmen gegen den Mitbewerber um den FCG-Chef, Beamtengewerkschafter Alfred Schöls, durch.

Karl Klein will das christlich-soziale Element in der Gewerkschaft wieder stärken. Etwas, das er bei der ÖVP und bei Parteichef Schüssel vermisst: "Der Wolfgang ist ein überzeugter Christlich-Sozialer. Er muss seine Kenntnisse in diesem Bereich stärker einbringen." Freunde sind sie nicht, aber man kennt sich - aus der Pfarrgemeinde in Jugendjahren.

Bei seinen Projekten müsse Schüssel die Betroffenen einbeziehen und nicht gegen sie handeln, meint Klein. Auch wenn er sich - im Gegensatz zu Fritz Neugebauer, den er einen "volksnahen Politiker" nennt - als Experte sieht, Kritikscheu kennt Klein nicht.

Die Pensionsreform hielt er für einen "Wahnsinn". Über den schwarz-blauen Regierungspakt sagte er, dieser lese sich, "wie wenn ein paar Junghühner aus dem Wirtschaftsbund" ihn geschrieben hätten. Und die Performance der Bundespartei quittierte der Wiener so: "Wenn ich mir das Parteiprogramm durchlese, bin ich ÖVP-Mitglied. Wenn ich die Arbeit der Regierung sehe, wäre ich es lieber nicht."

Dass er kein Parteisoldat ist, schätzen auch die Sozialdemokratischen Gewerkschafter (FSG). Man streut ihm Rosen: Er sei ein aufrechter Arbeitnehmervertreter und verfüge über enormes Fachwissen. Und er könne seine Standpunkte deutlich zu Gehör bringen. Man könne nichts Schlechtes über ihn sagen.

Klein gab sich vor seiner Wahl zum FCG-Chef weniger freundlich: Die FSG-Vertreter hätten versucht, den ÖGB als "zweite Arbeitnehmerpartei" zu missbrauchen. Zumindest diesmal war es wohl schade um die Rosen der Roten.(Peter Mayr

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