Vor dem Auftakt wurde gewählt

17. Oktober 2003, 16:36
10 Postings

Bei den Schwarzen kam Karl Klein, bei den Roten bleibt Rudolf Nürnberger - SP-Chef Gusenbauer sorgte mit parteiinterner Kritik für Unmut - Mit Kopf des Tages

Die Gewerkschaftsfraktionen haben ihre Führung neu gewählt: Wien - Quasi als Probelauf für den am Dienstag im Austria Center startenden ÖGB-Bundeskongress sind Montagvormittag die Fraktionen zusammengetroffen, um ihre Führung neu zu wählen. Während bei den Christgewerkschaftern ein Wechsel von Fritz Neugebauer zum bisherigen Bundessekretär Karl Klein anstand, wurde Rudolf Nürnberger als Chef der Sozialdemokratischen Gewerkschafter (FSG) mit 94,3 Prozent der Stimmen bestätigt.

Beim FSG sorgte SP-Chef Alfred Gusenbauer für große Irritation. Entgegen allen Usancen ritt er nämlich eine Attacke gegen die eigene Fraktion. Er sei der Meinung, dass bei aller Kritik an der Regierung in den eigenen Reihen größere Disziplin "nötig ist". Offenbar gemünzt auf Kritik von GPA-Chef Hans Sallmutter an ihm meinte Gusenbauer, es solle niemand glauben, er habe im Umgang mit der Basis "die Weisheit mit dem Löffel gegessen". Der Applaus für Gusenbauer durch die Delegierten fiel verhalten aus. Sallmutter verzichtete ganz auf Beifall.

Für ihn sprang GPA-Funktionärin Gerda Bacher in die Bresche. Man habe genug Probleme mit den anderen Parteien, da müsse solch eine Kritik in den eigenen Reihen nicht sein - und schon gar nicht auf diese Art und Weise.

Vor der Gusenbauer-Attacke war noch ganz die Regierung Ziel der Angriffe. Metaller-Chef Nürnberger warf ihr vor, "sehr viel heiße Luft" verbreitet zu haben. Beim Arbeitskampf im Bereich der AUA und der ÖBB mahnte er Solidarität ein. Auch die Delegierten stärkten Eisenbahner-Chef Wilhelm Haberzettl den Rücken. Bei der Wahl zum Nürnberger-Stellvertreter stimmten 436 der 437 Delegierten für ihn.

Bei den Christlichen Gewerkschaftern blieben Überraschungen aus. Karl Klein, der Neugebauer auch als ÖGB-Vizepräsidenten nachfolgen soll, kritisierte seine sozialdemokratischen Kollegen im ÖGB. Diese hätten versucht, den ÖGB als "zweite Arbeitnehmerpartei" zu missbrauchen. VP-Chef Wolfgang Schüssel kritisierte er nur am Rande des Kongresses. Klein: "Schüssel muss sich mehr an seiner christlich-sozialen Vergangenheit orientieren." (APA, pm/DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    SP-Chef Gusenbauer sorgte noch vor Beginn des ÖGB-Kongresses für Aufregung in der sozialdemokratischen Fraktion.

  • Der ÖGB startet seinen Bundeskongress
    montage: derstandard.at

    Der ÖGB startet seinen Bundeskongress

Share if you care.