Wiener Stadtwerke auf Chefsuche

17. Oktober 2003, 15:26
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Der Konzern sucht eine neue Führung, die Immobilien-Sparte wird in der Wiener Holding gebündelt

Wien - Jetzt ist es fix: Der Konzern der Wiener Stadtwerke mit 14.654 Mitarbeitern, einer der größten Arbeitgeber der Stadt, erhält eine neue Führung. Bei der jüngsten Aufsichtsratsstitzung wurde beschlossen, zwei neue Vorstände - einen mit kommunaler Erfahrung und einen Betriebswirt bzw. Techniker - zu suchen. Das kündigte der Aufsichtsratschef der Wiener Stadtwerke, Ernst Theimer im Gespräch mit dem STANDARD an. Die offizielle Ausschreibung erfolgt demnächst.

Personalrochaden

Hinter den Kulissen wird die Chefin von Wiener Wohnen, Gabriele Payr, als aussichtsreichste Kandidatin für den Vorstandsjob "mit kommunaler Erfahrung" gehandelt. Ihr unterstehen derzeit die rund 220.000 Wiener Gemeindewohnungen.

Notwendig wurde die Vorstandssuche, weil der erst zu Jahresbeginn zum Vorstandsvorsitzenden gekürte Günther Grois (62) mit Jahresende in Pension geht. Er trat damals die Nachfolge des überraschend pensionierten Karl Skyba an. Wer Grois als Vorstandsvorsitzender nachfolgt, steht noch nicht fest. Die beiden bestehenden Stadtwerke-Vorstände Michael Obentraut (58) und Felix Joklik bleiben, weil ihre Verträge erst zur Jahresmitte verlängert wurden. Dass einer der beiden den Chefsessel übernimmt, ist nicht wahrscheinlich.

Die Entscheidung über die Neubestellung fällt in der Aufsichtsratssitzung Anfang Dezember, sagte Theimer.

Neustrukturierung

Die Stadt Wien ist derzeit auch dabei, die Aufgaben zwischen der Wiener Holding und den Wiener Stadtwerken neu zu regeln. So sollen, laut Theimer, der in seinem Hauptberuf einflussreicher Magistratsdirektor in Wien ist, Immobilienaktivitäten der Stadt in der Wiener Holding gebündelt werden. Ziel der Stadt ist es, künftig auch als Developer aufzutreten. Die derzeit für Immobilien und Beteiligungen zuständige BMG (wo auch das Projekt "Town Town" angesiedelt ist) soll aber nicht aufgelöst werden, versichert Theimer.

Bei der geplanten Rochade sollen auch die von den Stadtwerken gehaltenen Aktien an der Porr (2,76 Prozent) und an der ehemals gemeindeeigenen Teerag Asdag - an der die Stadtwerke derzeit 47,19 Prozent halten (der Rest gehört der Porr) - an die Wiener Holding verkauft werden. Dass es beim Verkauf zu einer buchmäßigen Aufwertung kommt, wollte Theimer nicht kommentieren, er sprach lediglich von einem "fairen Preis".

Zum Konzern der Wiener Stadtwerke gehören unter anderem die Wien Energie, die Wiener Linien und die Bestattung. Im Vorjahr wurde ein Umsatz von 1,598 Mrd. Euro erzielt. Das Ergebnis war mit 50,4 Mio. Euro negativ. (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe, 14.10.2003)

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