Krieg und Frieden und auch etwas über Frauen

14. Oktober 2003, 20:00
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"Blond unter Aufsicht" im KosmosTheater zeigt wie keifenden Luxusladys die Zähne gezogen werden

Frauen sind Gottes Polizei, sagen die Australier - Aber auch Sonja Breuer (Idee, Text, Regie) und Martin Leitner (Bühne, Text), die diese Hypothese in Blond unter Aufsicht unbarmherzig abhandeln. Im KosmosTheater Wien werden derzeit ein paar Übungseinheiten gezeigt, die veranschaulichen, wie keifenden Luxusladys, "Herrenreiterinnen" genannt (Besold, Dadois, Giller, Halvax, Ledl), durch Kompromisslosigkeit und ausdauerndes Nörgeln die Zähne gezogen werden. Bildlich. Mit von der männlichen Zermürbungspartie sind Gen Seto, Rafael Alvares, Martin Hulan, Wulf Schmid-Noerr und Hans Ruchti.

Nun, auch Männer neigen dazu, sich im Laufe der Zeit nicht gerade zu ihrem Vorteil zu verändern. Und so bietet das Lehrstück, eine Koproduktion mit dem Liebfrauentheater München, assoziative Dimensionen, die sich um die ewigen Fragen wie Brustvergrößerung, Folter, Blutdruck oder Krieg drehen. - Ticken Männer wirklich so? Damit der Abend als Musiktheater durchgeht, hat Paul Engel (Musik) eine Sopranistin (Christin Mollnár) ins Boot geholt, die über die Herausforderungen des Baggerns, Balzens und Bandelns Arien singt - dazu braucht sie nicht einmal einen gescheiten Text. Musikalisch greift Engel gern in die Zitatenkiste von Schubert bis Puccini; alles andere klingt wie elektronisch-schräger William Walton. Das große Projekt Liebe ist wieder einmal gescheitert. (henn/DER STANDARD, Printausgabe, 14. 10.2003)

KosmosTheater
1070 Wien
Siebensterngasse 42
01/523 12 26
Weitere Aufführungen: 14.-18. 10.
20.30
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