Straußen und Strippenzieher

13. Oktober 2003, 18:45
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Die Pariser Designerschauen endeten aufreizend besinnlich

Peter Bäldle aus Paris

Voulez-vous coucher avec moi? Mit aufwühlendem 80er-Discosound und einem großartigen Defilee zwischen Erotik und Woman-Power setzte Tom Ford, Creative Director für Yves Saint Laurent, einen beeindruckenden Schlusspunkt hinter die Pariser Designerschauen für Frühjahr/Sommer 2004.

Mit Yves' Hosenanzug im Stil der 80er-Jahre und beachtlichen Schulterbreiten im cremeweißen Satin demonstrierte Ford, wie kraftvoll er Weiblichkeit empfindet. Mit wehenden Chiffonkleidern im Stil der Roaring Twenties, gesehen aber mit den Augen der Seventies, zeigte er gleichzeitig, wie verführerisch sie ist. Machtvolle Löwenmähnen, dunkel umschattete Augen und glitzernde Pumps schienen dazu gedacht, Männer endgültig um ihren Verstand zu bringen.

Für Louis Vuitton hingegen hatten es Marc Jacobs diesmal die 40er-Jahre angetan, die er, durchaus im Sinne des Wortes, vergoldete. Golden schimmerten die Blusen mit den betonten Schultern, golden glänzten die Beschläge an den Plateausohlen seiner Sandaletten, und golden waren auch die Handtaschen, die kein Mädchen bei Vuitton vergisst, mit auf den Laufsteg zu bringen. Und ein Trench aus goldenem Straußenleder verwandelt jede Frau in eine "Reine Soleil"!

Bei so viel Getöse fällt es auf, wenn jemand still und leise Abschied nimmt. Im traditionsreichen Haus Hermès war dies der Fall, denn Martin Margiela zeigte seine letzte Kollektion. Künftig wird Jean-Paul Gaultier dessen Position übernehmen, bei dem Margiela übrigens als Assistent einst das Handwerk lernte.

Unterschiedlicher können allerdings zwei Designer kaum sein, was natürlich zu wilden Spekulationen über den künftigen Weg von Hermès beiträgt. Und in der Tat musste man sich erst einsehen in die Kraft, die in der Stille liegt. In die mit kühnem Schwung auf Spitze geschnittenen Seidentuniken, die über dem Saum der Hosen enden. Perfekt erschienen wadenlange Hemdblusenkleider, die auch als offener Chasublemantel gute Figur machen.

Ein roter Pullover mit breitem Blockstreifen zu Sailorhosen erinnerte an Abschied am Meer. Martin Margiela, der sich nie verbeugt, erschien auch diesmal nicht.

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