Generalisten sind Katalysatoren

14. Oktober 2003, 13:54
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Nach der Krise glaubt man wieder an einen Aufwärtstrend am IT-Arbeitsmarkt - Ein STANDARD-Gespräch über aktuelle Trends und Entwicklungen

Welche Trends sehen Personalisten international tätiger Unternehmen im IT-Bereich? Was bewirkt IT für den Unternehmenserfolg? Wie sehen die Gehälter der IT-Spezialisten heute aus? - Das waren die Schwerpunktthemen des Gesprächs mit Human-Resources-Managern und Geschäftsführern aus international tätigen Betrieben.

Wolfgang Käferböck, Leiter des Competence Centers Information Process beim Büropapierhersteller Neusiedler, sieht wichtige Trends im IT-Sektor besonders in den Bereichen Integration von Kunden und Lieferanten, Automatisierung von Abläufen, Globalisierung (Einbindung weiterer Produktionsstätten) und Information-Security. "IT-Erfahrene müssen sich auf diese Sektoren künftig spezialisieren. Die Themen Sicherheit und Automatisierung gewinnen an Bedeutung."

25-jährige Turbos mir 35-jähriger Erfahrung

Dem kann Hannes Letz, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens joinIT, nur beipflichten. Das Thema "Geschwindigkeit" wird in vielen Unternehmen groß geschrieben: "Man sucht sich heute 25-Jährige, die eine 35-jährige Erfahrung mitbringen sollen und die wie die Turbos arbeiten." Außerdem werden IT-Generalisten gesucht, die gut bezahlt werden - oft in ausgelagerten "Außenstellen" für ihren Konzern zuarbeiten.

Wolfgang Sanytr, Geschäftsführender Gesellschafter des SRB EDV-Consulting Teams, kennt den Druck, der auf den EDV-Spezialisten lastet, wenn es darum geht, neue Techniken zu implementieren: "Es gibt heute in Großbetrieben einen Trend hin zu zentralen IT-Abteilungen. Dem folgen beispielsweise die Voest und Böhler-Uddeholm." IT-Consultants hätten sich viel zu lange als "Mitarbeiter auf Zeit" verkauft, so Sanytr. Heute suche man verstärkt nach Beratern, die Change-Prozesse begleiten. "Die IT-Generalisten haben die Spezialisten verdrängt", so Sanytr.

Kommunikation

Als wichtigen IT-Trend ortet Gerhard Kantusch, Human-Resources-Direktor von Radex Heraklit, die Kommunikation. "Alle unsere Mitarbeiter können sich von jedem Punkt dieser Welt in die hausinterne Datenbank einklinken. Das ist ein wichtiges Asset, das wir den Mitarbeitern eines international tätigen Unternehmens heute einfach bieten müssen." Auch in Sachen Personal-Controlling setzt das Management von Radex Heraklit auf den "gesicherten Zugriff auf die hausinterne Datenbank".

Für Harald Uhlig, Geschäftsführer der Audit Software GmbH, gibt es noch zu wenige "grenzübergreifende Denker" im IT-Bereich. "Man kann zwar heute Spezialisten zukaufen, nirgends lernt man aber, wie Prozesse ganzheitlich gestaltet werden. Gerade das sollten IT-Manager aber heute beherrschen." Um die strategische Bedeutung von IT zu unterstreichen, wäre für Uhlig ein "Chief Information Officer" (CIO) an der Unternehmensspitze wünschenswert, der diesen Anforderungen gerecht wird. Wer heute als IT-Professional reüssieren will, dem stellt sich eine Frage: "Er sollte sich überlegen, ob seine persönliche Lebensplanung auch mit dem Job übereinstimmt." Die Einstellung zu Work-Life-Balance sei wichtig, so die Experten. (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe, 11./12.10.2003)

Das Gespräch moderierte Gabriele Lehner, Geschäftsführerin von Lehner Executive Partners
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