Die Pannenserie des KHG

27. Oktober 2003, 14:32
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Sponsoring, Auftragsvergabe an Freunde, überhöhte Beraterhonorare und jetzt eine fehlende Meldung von Aktienbesitz

Diese Legislaturperiode steht für Grasser unter keinem guten Stern. Da waren die ersten Kratzer am Image noch vergleichsweise harmlos. So wurde bekannt, dass Tommy Hilfiger dem Sonnyboy angeblich regelmäßig das sportive Outfit spendiert.

  • In gröbere Turbulenzen geriet Grasser, als letzten Sommer aufflog, dass die Industriellenvereinigung die KHG- Website mit 175.000 Euro subventionierte. Die Frage, ob er hier nicht sogar Steuern hinterzogen hatte, wurde vom zuständigen (Grasser sozusagen untergebenen) Finanzamt verneint. Grasser argumentierte damals, die Homepage sei rein beruflich notwendig gewesen. Nach Ruchbarwerden der Affäre verschwanden allerdings blitzartig die Baby- und Jugendfotos des Jungstars von der Selbstbeweihräucherungs-Website.

    Für die Homepage zuständig war ein "New Economy"- Verein, dessen Obmann Grassers Kabinettschef und Expressesprecher Matthias Winkler ist. Firmensitz des Vereins: Winklers Privatwohnung. Ein rot-grüner Misstrauensantrag gegen Grasser wurde im Juli von der Regierung abgeschmettert. Die Grünen warfen ihm damals vor, seit 2002 Aufträge für PR und Beratung im Wert von 10 Millionen Euro vergeben zu haben.

  • Seine persönlichen Seilschaften wusste der Finanzminister stets gezielt einzusetzen. So durfte sich Freund und PR-Experte Peter Hochegger über fette Aufträge des Finanzministeriums freuen und die Homepage auf die Beine stellen. Grassers Exmitarbeiter Josef Christl wurde im Vorstand der Oesterreichischen Nationalbank platziert. Auch bei der Privatisierung von Wohnbaugesellschaften des Bundes wurde Grasser unseriöses Vorgehen und Involvierung nahe stehender Personen vorgeworfen.

  • Unter Beschuss geriet der von der FPÖ unter die Fittiche der ÖVP geflüchtete parteifreie Minister auch wegen saftiger Honorare, die er für Vorträge vor heimischen Bankern kassierte - angeblich 7000 Euro pro Auftritt. Das Geld sei an eine karitative Stiftung eingebracht worden, argumentierte das Ministerbüro. Die Stiftung erwies sich allerdings als "in Gründung". Das Geld sei direkt an bedürftige Familien oder Institutionen geflossen, hieß es damals.

  • Mysteriös ist Grassers Rolle im Zusammenhang mit dem Eurofighterkauf. Die Gerüchte wollten nicht verstummen, dass dahinter die alte Verbindung zu seinem Exarbeitgeber Frank Stronach stehen könnte, die das Verteidigungsministerium schließlich statt zu Saab zu den Eurofightern greifen ließ. Parallelen gab es beim Voest-Verkauf: Als bekannt wurde, dass Stronach einen Kauf vorbereitete, war Grasser gezwungen, öffentlich gegenzusteuern. Um die Gerüchteküche zu beruhigen, gab KHG später bekannt, kein Rückkehrrecht mehr zu Stronachs Magna zu haben.

  • Vorgeworfen wurden dem Finanzminister aber auch diverse Einladungen. Rätsel gab es über Besuche in Monaco, wo er angeblich vom Industriellen Peter König zum Formel-1-Rennzirkus eingeladen wurde. Auch mit Magna-Vorsitzendem Siegfried Wolf weilte er in Monaco. Bekannt sind auch seine guten Beziehungen zu "Red Bull"-Erfinder" Dietrich Mateschitz. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2003)
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