Indien: Tausende Hindu-Fundamentalisten inhaftiert

16. Oktober 2003, 10:45
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Kundgebung untersagt - Moslem-Familien verlassen Pilgerstadt Ayodhya

Neu Delhi - Vor einer geplanten Demonstration von Hindu-Fundamentalisten ist es im nordindischen Unionsstaat Uttar Pradesh zu neuen Massenfestnahmen gekommen. Allein am Bahnhof der Stadt Varanasi seien am Dienstag 4000 Hindus festgenommen worden, berichtete der Fernsehsender Zee News ohne Angabe von Quellen. Sie seien auf dem Weg zu der für Freitag geplanten und inzwischen verbotenen Kundgebung in Ayodhya gewesen. Unklar war, wie viele Menschen inzwischen insgesamt festgehalten werden.

Der Sprecher der Polizei in Uttar Pradesh sagte, es lägen keine Zahlen vor. Ein anderer Polizist sprach von 5000 Festnahmen. Nach verschiedenen Medienberichten ist die Zahl weit höher. Die Nachrichtenagentur UNI hatte bereits am Montag berichtet, insgesamt seien 10.000 Hindu-Fundamentalisten festgenommen worden. Mit den Massenfestnahmen sollen religiöse Unruhen verhindert werden.

Die Fundamentalisten wollen in Ayodhya für den Bau eines Tempels auf dem Gelände einer 1992 von einem Hindu-Mob zerstörten Moschee demonstrieren. Die Zerstörung der im 15. Jahrhundert erbauten Babri-Moschee hatte landesweite Unruhen ausgelöst, bei denen tausende Menschen getötet worden waren. Nach Ansicht von Hindu-Fanatikern ist das moslemische Gotteshaus auf der Geburtsstätte des Hindu-Gottes Rama errichtet worden.

Unterdessen versuchten Hindu-Fundamentalisten weiter, aus den Nachbarstaaten nach Uttar Pradesh zu gelangen. UNI berichtete unter Berufung auf die Behörden, dass alleine 45.000 Menschen aus den Bundesstaaten Bihar und Jharkhand auf dem Weg nach Ayodhya seien. Moslemische Familien hätten begonnen, Ayodhya zu verlassen. Sicherheitskräfte haben die Pilgerstadt abgeriegelt. (APA/dpa)

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    Die Fundamentalisten wollen in Ayodhya für den Bau eines Tempels auf dem Gelände einer 1992 von einem Hindu-Mob zerstörten Moschee demonstrieren

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