Ex-Großkanzler einer Freimaurer-Loge als Betrüger verurteilt

14. Oktober 2003, 14:16
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Drei Monate bedingt, weil er "Großloge von Österreich" um 2.990 Euro schädigte - Urteil rechtskräftig

Ein ehemaliger Großkanzler der "Großloge von Österreich der alten freien und angenommenen Maurer" ist am Montag im Straflandesgericht wegen schweren Betrugs zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Der Mann, ein 62-jähriger Pensionist aus Wien-Liesing, hatte die Freimaurer mit vier fingierten Rechnungen um exakt 2.990 Euro geschädigt. Das Urteil (Einzelrichterin Patrizia Kobinger, Staatsanwalt Hagen Nordmeyer) ist bereits rechtskräftig.

Vergleichsweise geringer Schaden

Angesichts des vergleichsweise geringen Schadens wunderten sich Prozessbeobachter, dass die eher auf Geheimhaltung bedachten Freimaurer keine interne Lösung gefunden bzw. sich nicht mit einer solchen begnügt hatten. Wie ein hochrangiger Logen-Vertreter dazu nach der Verhandlung einigen Journalisten erklärte, wurde der ehemalige Großkanzler aber nicht vom Verein angezeigt. Man habe es dabei belassen, ihn nach der Innenrevision, bei der die finanziellen Unregelmäßigkeiten ans Tageslicht kamen, auszuschließen.

Der frühere Großkanzler spielte seine Funktion hinunter: "Das war ein Ehrentitel, der überhaupt nichts besagt. Ich habe überhaupt keine Rechte gehabt. Ich war dem Großsekretär verantwortlich. Ich habe alle Tätigkeiten erledigt, was in einem Haus so anfällt."

"Zubrot"

Dazu zählte unter anderem, für Nachschub an Medaillen, Münzen, Ordensbänder, Ketten und Kapuzenmänteln zu sorgen. Der Verdacht besteht, dass der 62-Jährige seit September 2000 regelmäßig "mitgeschnitten" hat, wenn es die Vorräte aufzufüllen galt.

So soll er zwischen die Hersteller und die Großloge Firmen geschaltet haben, die in Wahrheit gar nicht existierten. In der Buchhaltung landeten dann Rechnungen dieser Firmen, wobei die Waren - so das Ergebnis der Innenrevision - mit einem Aufschlag von durchschnittlich 42 Prozent versehen waren. Dieses "Zubrot" - so mutmaßte man jedenfalls bei der Staatsanwaltschaft - dürfte der Großkanzler eingestreift haben.

In einigen Fällen ließ sich das nicht nachweisen. So gab der Angeklagte in Bezug auf ein Medaillen-Lieferung an, diese von einer Dame bezogen zu haben, die er nicht nennen wolle: "Ich fühle mich heute noch an mein Wort gebunden. Bei Freimaurern ist es üblich, das nicht breitzutreten." Woher die Ware konkret stammte, habe ihn nie interessiert: "Ein Bote hat sie überbracht. Für mich ist alles in Ordnung. Die Ware ist gekommen, ich habe bezahlt, die Stückzahl stimmt."

Manipulierte Rechnungen

Die Kapuzenmäntel wiederum hätten ersetzt werden müssen, weil die alten "zerschlissen waren und gestunken haben". Qualität habe ihren Preis, und für 50 Mäntel seien umgerechnet 1.526 Euro nicht zu viel Geld: "Der Stoff muss ein besonderer sein. Das muss atmungsaktiv sein. Die Mäntel werden am Abend getragen, da schwitzt man."

Nicht wegdiskutieren ließ sich jedoch, dass der Großkanzler für Hard- und Software für die Computeranlage manipulierte Rechnungen vorgelegt hatte, die deutlich über dem wahren Preis lagen. Denn zu seinem Pech waren die ursprünglichen Rechnungen nicht verschwunden. Seine Rechtfertigung: Mit dem "Überhang" habe er Hilfsbedürftige unterstützt. "Es gibt Mitglieder, die jeden Tag in den Verein kommen, weil sie da ein Gratisessen bekommen", berichtete der ehemalige Großkanzler.

Weitere Deals nachgewiesen

Schließlich konnte ihm während der Verhandlung mit Hilfe eines Zeugen noch ein weiterer unlauterer Deal nachgewiesen werden: Seine Ehefrau hatte auf sein Ersuchen hin bei einer Linzer Firma um ein Angebot für 50 Münzen und zehn Medaillen ersucht. Im Namen einer anderen, angeblich wiederum nicht existenten Frau wurde dann bestellt, wobei als Zustelladresse die der Großloge in Wien angegeben war. Die Freimaurer zahlten einen Preis, der um 58 Prozent über dem tatsächlichen lag.

"Vielleicht sind Schachteln dazu gekommen. Oder es ist poliert worden", suchte der damit konfrontierte Beschuldigte fast verzweifelt nach Ausflüchten. Der Staatsanwalt legte ihm darauf dringend ein Geständnis nahe, worauf sich der 62-Jährige nach Beratung mit seinem Anwalt in den Fällen, wo die Beweislage eindeutig gegen ihn sprach, zu einem solchen durchrang: "Ich schaff' das nervlich nicht mehr. Ich bin nicht ganz gesund."

Die knapp 3.000 Euro seien zur Gänze Dritten zugeflossen, beteuerte der Mann. Jetzt hoffe er, "von diesen Schmierfinken" - gemeint waren die Journalisten - in Ruhe gelassen zu werden. (APA)

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