Asylwerber: Wiener Caritas richtet Notquartier in Kirche ein

17. Oktober 2003, 16:35
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Flüchtlingshäuser laut Landau bereits überfüllt - Kritik an "Vertröstungen" durch das Innenministerium

Wien - Die Caritas der Erzdiözese Wien richtet in einer Kirche ein Notquartier für Asylwerber ein. Am Montag Nachmittag sollen rund 50 Männer die Unterkunft in der Konzilsgedächtniskirche in Wien-Hietzing beziehen. Die Flüchtlinge waren bisher in "absoluten Notquartieren" - etwa in Kellern - untergebracht, hießt es in einer Caritas-Aussendung. Kritik übte die Hilfsorganisation am Bund. Dieser komme seiner Verpflichtung zur Betreuung der Asylwerber nicht nach.

"Wir können nicht mehr"

"Wir können nicht mehr, unsere Flüchtlingshäuser sind überfüllt, doch das Innenministerium stellt trotz der klaren Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs (OGH) keine Kapazitäten für die Unterbringung zur Verfügung", betonte der Wiener Caritasdirektor Michael Landau.

"Werden seit rund zwei Wochen vertröstet"

Das Innenministerium hat im Oktober 2002 per Erlass Asylwerber aus bestimmten Staaten von der Bundesbetreuung ausgeschlossen. Laut dem von Landau zitierten OGH-Urteil widersprach der Erlass des Ministeriums aber dem Gleichbehandlungsgrundsatz im Bundesbetreuungsgesetz. Nun würde die Caritas seit rund zwei Wochen von den Beamten des Innenministeriums in der Frage der Versorgung von mittellosen und obdachlosen Asylwerbern vertröstet, kritisierte der Wiener Caritasdirektor.

Laut seinen Angaben gibt es nun "keine andere Möglichkeit mehr, als obdachlose Asylwerber in einer Kirche unterzubringen." In der Konzilsgedächtniskirche wurde daher am Montagvormittag mit Unterstützung der Pfarrgemeinde und des Roten Kreuzes ein Notquartier im Kirchenraum eingerichtet.

Innenministerium verwundert über Notquartier

Verwundert reagiert hat das Innenministerium am Montag auf die Einrichtung eines Flüchtlings-Notquartiers durch die Caritas-Wien. Von dieser habe das Ministerium 108 Personen in seine Betreuung übernommen, weil die NGO's bisher nicht in der Lage gewesen seien, Quartiere zu finden.

Obwohl das Innenministerium in den letzten Jahren die Zahl seiner Betreuungsplätze verdreifacht habe, bestehe immer noch hoher Bedarf an zusätzlichen Quartieren. Für das Ministerium sei es absehbar gewesen, dass die eigenen 8.000 Betreuungsplätze nicht ausreichen würden. Deshalb galt es, rasch eine Lösung zusammen mit den NGO's und den Ländern zu finden, um insbesondere über die Wintermonate entsprechende Quartiere zur Verfügung stellen zu können - bei Übernahme der Kosten durch das Innenministerium. "Leider haben die NGO's bislang keinen einzigen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen können", heißt es in der Aussendung. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Notquartier der Caritas in der Konzilsgedächtniskirche in Wien-Hietzing.

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