Sudan: Regime lässt politische Gefangene frei

20. Oktober 2003, 12:25
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"Al Jazeera": Auch Hausarrest des Islamistenfürers Tourabi aufgehoben

Khartum/Kairo - Die sudanesische Regierung hat am Montag nach Informationen des arabischen TV-Nachrichtensenders "Al Jazeera" alle politischen Gefangenen freigelassen. Auch der Hausarrest, der gegen den Islamistenführer und 1998 entmachteten Chefideologen des Regimes, Hassan al Tourabi, verhängt wurde, sei aufgehoben worden, hieß es.

Der 71-jährige Ex-Parlamentspräsident Tourabi (Turabi), ein erklärter Feind der USA, galt als graue Eminenz des seit 1989 herrschenden Militärregimes von General Omar Hassan al Bashir. Der Gründer der Nationalen Islamischen Front (NIF), der in Oxford und Paris studiert hat, spricht neben Arabisch auch fließend Englisch, Französisch und Deutsch.

Dachorganisation einer "Islamistischen Internationale"

1991 wurde auf Tourabis Initiative die "Arabisch-Islamische Volksfront" (PAIC) in Khartum gegründet, zu der radikale islamistische Gruppierungen arabischer Staaten wie die algerische FIS (Islamische Heilsfront), die palästinensische Hamas und die ägyptische Gamaa Islamiya zählen. Die PAIC gilt als Dachorganisation einer "Islamistischen Internationale". Dies führte dazu, dass der Sudan von den USA auf die Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten gesetzt worden war. Nach der Entmachtung Tourabis kam es zu einer deutlichen Annäherung zwischen dem Sudan und dem Nachbarland Ägypten. Die USA vermitteln im sudanesischen Bürgerkrieg zwischen dem arabisch-islamischen Norden und dem christlich-animistischen Süden.

Im Vorjahr waren die Parteien, die vor dem Militärputsch von 1989 regiert hatten, die konservative Umma-Partei des Ex-Ministerpräsidenten Sadek al Mahdi und die Demokratische Unionspartei des ehemaligen Staatspräsidenten Ahmed al Mirghani, sowie die panarabische Baath-Partei und die KP wieder zugelassen worden. (APA/dpa/AFP)

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    Hassan al Tourabi

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