Landnahme am Karlsplatz endet vorzeitig

22. Oktober 2003, 14:10
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Nach fast hundert Solidaritätsveranstaltungen weicht das freie Mediencamp der drohenden Räumung durch die Behörden

Als Protestzeichen gegen die zunehmende Einschränkung der Grundvoraussetzungen für freie Medien bezog am 27. Juni diesen Jahres ein Container seinen Standort auf einer Grünfläche am Karlsplatz. Das "Freie Mediencamp" forderte von den politisch Verantwortlichen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ein. Mit fast 100 Veranstaltung verliehen die Initiatoren ihren Forderungen Nachdruck.

Lösungen, warten auf ihre Umsetzung

Trotz hoffnungsvoller Zusagen während einer öffentlichen Diskussion mit Vizebürgermeisterin und Medienstadträtin Grete Laska ist bisher wenig geschehen, klagt Public Netbase, einer der Mitorganisatoren des freien Mediencamps. Die Unabhängigkeit der freien Medieninitiativen sollte fortgesetzt, Verhandlungsergebnisse rasch und transparent umgesetzt werden. "Eine von Grete Laska und Christoph Chorherr (Grüne) für Ende September in Aussicht gestellte Entscheidung über den offenen Kanal lässt ebenso auf sich warten, wie die Klarheit über den Fortbestand von Radio Orange sowie die zukünftige Standortsicherung von Public Netbase", wurde Montag per Aussendung mitgeteilt.

Kritik: "Gewaltsames Vorgehen statt notwendiger Sachlösungen

Nun soll das Mediencamp behördlich geräumt werden. So besagt es ein den Organisatoren vorliegendes Dokument. "Damit scheint sich abzuzeichnen, dass in der Wiener Politik ein gewaltsames Vorgehen gegenüber dringend notwendigen Sachlösungen bevorzugt wird", beklagt das "freie Mediencamp" den Beschluss. Die Entscheidung zu einer "monatelangen Demonstration" sei durch die "kultur- und medienpolitischen Untätigkeit" im Nachhinein vollstens bestätigt worden.

Neue Protestformen

Ursprünglich war geplant, auf unbestimmte Zeit mit den Forderungen am Karlplatz sichtbar zu bleiben. Auf eine Räumung durch die Polizei soll aber verzichtet werden. Das Mediencamp geht nun "freiwillig". Aber nicht ohne die Ankündigung mit "neuen Protestformen auf die ungelösten Probleme aufmerksam zu machen und weiterhin hartnäckig für eine Gewährleistung der notwendigen Grundlagen für eine demokratische Informationsgesellschaft einzutreten."

Abschluss und Neuanfang

Eine Abschlussveranstaltung am Mittwoch (15.10., 18 Uhr) resümiert und entwirft neue Perspektiven. Diskussionsteilnehmer: Alf Altendorf (CMCV/Projekt Offenes Community TV), Robert Foltin (Redaktion Grundrisse), Helga Köcher (Emergence of Projects), Patricia Köstring (IG Kultur Wien/Vorstand Radio Orange 94.0) Martin Wassermair (Mediencamp/Public Netbase) unter der Moderation von Dieter Schrage. (kafe)

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