Stift Geras präsentiert erstes virtuelles Klosterarchiv

21. Oktober 2003, 13:41
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Projekt "MOnasteriuM" - Bis zu 20.000 mittelalterliche Urkunden Niederösterreichs abrufbar

"Der brief ist geben nach Kristi gepuerd drewczehenhundert jar darnach in dem fuenfczigistem jar zue ostern". Diese Zeilen schrieb ein gewisser Gundolt der Tucz, Amtmann des Klosters Baumgartenberg, am 28. März 1350. In der Urkunde wurde die Übergabe eines Viertels Weingarten in dem Wolfsgraben an einen Jans von Segenwerg festgeschrieben. Mehr als 650 Jahre später kann man diese Zeilen bequem im Internet nachlesen. Denn das Stift Geras verfügt seit kurzem über das europaweit erste virtuelle Klosterarchiv.

Historischer Schriftverkehr

Im Rahmen der 850-Jahr-Feierlichkeiten des Stiftes wird die Internet-Bibliothek am 24. Oktober von Abt Joachim Angerer feierlich präsentiert und "eröffnet". Wer sich jedoch schon jetzt auf die Suche nach historischem Schriftverkehr machen möchte, kann dies unter www.mom.archiv.net tun. Obwohl bereits ziemlich umfangreich, ist der derzeitige Bestand des virtuellen Klosterarchivs lediglich ein Vorgeschmack auf das Endprodukt.

Das vom Diözesanarchiv in St. Pölten durchgeführte Projekt "MOnasteriuM" (MOM) hat mittlerweile die digitale Aufarbeitung der Dokumente des Stiftes Geras abgeschlossen. Ziel ist es aber, sämtliche der rund 20.000 mittelalterlichen Urkunden Niederösterreichs zu erfassen. Der Bogen spannt sich dabei von der Gründungszeit im Jahr 1153 bis in die unmittelbare Gegenwart (1992). Die Initiatoren wollen damit ein elektronisches "kollektives Gedächtnis" schaffen, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet.

Durch die Nutzung des Internets sollen künftig Recherchen nach Personen, Orten oder verschiedenen Sachthemen auf Knopfdruck möglich gemacht werden. Sei es die Urkunde mit der erstmaligen Erwähnung des Heimatortes, der Schilderung eines bestimmten historischen Ereignisses oder auch nur ein alter Rechnungszettel. Das virtuelle Klosterarchiv könnte damit nicht nur der Forschung völlig neue Perspektiven eröffnen, sondern auch in verschiedensten Bereichen des kulturellen Lebens Bedeutung erlangen.

Bisher verschlossene Türenper Mausklick öffnen

So können etwa auch Schulen im Unterricht online auf originales Urkundenmaterial problemlos zurückgreifen, aber auch dem privaten Nutzer wird die einmalige Chance geboten, bisher verschlossene Türen per Mausklick zu öffnen und Zugang zu den historisch und kulturell gleichermaßen wertvollen Dokumenten zu erhalten.(APA)

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