Sexuelle Übergriffe beschäftigen weiter Vorarlbergs Schuldirektoren

14. Oktober 2003, 14:16
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Schriftliche Anweisung und intensivere Information des Landesschulrats nach Skandal um Musiklehrer

Die Konsequenzen aus dem Fall des Musikschullehrers, der sich an zahlreichen Schülerinnen in Vorarlberg vergriffen haben soll, sind ein Schwerpunkt der Direktoren-Konferenzen, die in diesen Wochen in Vorarlberg abgehalten werden. Der Landesschulrat hatte nach Bekanntwerden des Sex-Skandals zum Beginn des Schuljahres alle Schulen schriftlich angewiesen, schon bei geringsten Verdacht die zuständigen Behörden zu kontaktieren.

Fall wurde Anfang September publik

"Zu diesem relativ nüchternen Schreiben wird nun schultypenbezogen mit allen Direktorinnen und Direktoren diskutiert", erklärte die Sprecherin des Vorarlberger Landesschulrats Ruth Allgäuer: "Es geht darum, dass sehr früh entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können." Die insgesamt 17 Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe, die dem Musiklehrer vorgeworfen werden, lagen zum Teil zehn und mehr Jahre zurück, als der Fall Anfang September publik wurde. Zwei Dornbirner Schulen waren die Vorwürfe zum Teil schon länger bekannt. Da von den Schülerinnen bzw. deren Eltern damals aber keine Anzeige erstattet worden war, blieb der Lehrer weiterhin im Schuldienst.

Aufarbeitung und Vorbeugung

"Die Tragweite in diesem Fall ist besonders schlimm. Da will ich gar nichts kleiner machen", so Allgäuer: "Der Lehrer ist mittlerweile gekündigt und es wurde noch einmal alles überprüft und festgestellt, dass zum Zeitpunkt des jeweiligen Wissensstandes korrekt gehandelt wurde." Nun gehe es an die Aufarbeitung und eine verbesserte Vorbeugung. In der Anweisung und den Konferenzen wird von den Schulleitern und Lehrern "besondere Sensibilität" eingefordert, damit sich ein ähnlicher Fall nicht wiederholt. "Jeder Schüler oder jede Schülerin, die das Gefühl hat, es ist etwas so, wie ich es nicht will", so Allgäuer, soll umgehend eine Vertrauens- und Ansprechperson finden. Dazu werde auch das Angebot psychologischer und außerschulischer Betreuung intensiviert.

Der 42 Jahre alte Musikschullehrer sitzt derzeit in der Justizanstalt Feldkirch in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess. (APA)

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