Urwildpferd erobert freie Wildbahn zurück

14. Oktober 2003, 10:18
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Experten des Salzburger Tiergartens Hellbrunn beteiligen sich an Wiederansiedelungs- Projekt von Przewalski-Pferden in der Wüste Gobi

Salzburg - Beinahe wäre der letzte wilde Vorfahre des heutigen Hauspferdes ausgestorben. Ganze zwölf Tiere umfasste vor rund hundert Jahren der weltweite Bestand der Przewalski-Pferde noch. Doch als 1969 zum letzten Mal ein frei lebendes Tier gesehen wurde, gab es in vielen Tiergärten vor allem Europas und der USA schon wieder eine stattliche Zahl an Tieren. Vor elf Jahren wurde mit der Wiederansiedlung der Pferde in der Wüste Gobi in der Mongolei begonnen. Aber erst seit sich Experten des Salzburger Tiergartens Hellbrunn beteiligen, stellt sich auch Erfolg ein.

Wissenschaftliche Begleitung aus Salzburg

1992 wurden von der Schweiz aus die ersten Takhis, wie die Huftiere auf mongolisch heißen, in ihre ursprüngliche Heimat gebracht. "Man hat geglaubt, man setzt die Tiere in einen Zaun, lässt sie später frei und das war's. Die Folge war eine extrem hohe Sterblichkeit der Pferde", schilderte Salzburgs Tiergarten-Direktor Rainer Revers. "Das Problem war, dass wir keine Kenntnisse über die Lebensweise in freier Wildbahn hatten, weil sie dort ja schon ausgestorben waren." Hellbrunn stieg 1998 in das Projekt ein und begann mit einer kontinuierlichen wissenschaftlichen und veterinärmedizinischen Begleitung, ohne die das Wiederansiedlungsprojekt laut Revers gescheitert wäre.

Immunisierung

Hellbrunn-Tierarzt Chris Walzer erkannte, dass die Przewalski-Pferde in der Mongolei an einer Krankheit sterben, die von Zecken übertragen wird. Nach der Ankunft in der Mongolei bleiben die Tiere nun solange im Gatter, bis die Krankheit bei ihnen ausbricht. Dabei wird auch nachgeholfen, indem Zecken auf infizierten Pferden gesammelt und auf noch nicht infizierte Takhi gesetzt werden. "Sobald die ersten Krankheitszeichen auftreten, müssen die Pferde behandelt werden. Danach sind sie immun. Seither stirbt kaum noch ein Tier", so Revers.

Fünf Herden leben in Freiheit

Inzwischen leben rund 70 Takhis in der Mongolei, fünf Herden in voller Freiheit und eine Herde im Gatter. Etwa 40 Prozent der Tiere sind bereits dort zur Welt gekommen. "Heuer war dort ein Superjahr. Es hat viel geregnet, es gab viel Futter und optimale Bedingungen für die Pferde." Von einem nachhaltigen Erfolg bei der Wiederansiedlung könne man bei einem Bestand von rund 200 wild lebenden Tieren sprechen, so der Hellbrunn-Direktor. "Dann regelt sich der Bestand großteils selber, auch deshalb, weil es in der Mongolei praktisch keine Wilderei gibt." Bis dahin werden noch drei bis vier Transporte aus Europa notwendig sein. "Grund zum Zurücklehnen" gebe es aber auch dann noch nicht.

Weltweit zweitausend Tiere

Der weltweite Bestand der Przewalski-Pferde in Tiergärten und Zoos beträgt inzwischen fast 2.000 Tiere. Seinen Namen verdankt das Urwildpferd dem russischen Oberst Nikolai Przewalski. Dieser brachte 1878 von seinen Reisen durch Zentralasien ein Fell und einen Schädel nach Moskau und machte so die eigentlich schon für ausgestorben vermutete Art der Wissenschaft bekannt. Der eigentliche Entdecker der Wildpferde war Oberst Przewalski allerdings nicht. Bereits 1472 berichtete der deutsche Hans Schiltberger von Wildpferden, die er bei seinen Reisen durch die Mongolei beobachtet hatte. Ein Reisebericht des Schotten John Bell berichtete um 1720 von Wildpferden in China.

Da der gesamte Tierbestand von den letzten zwölf Wildfängen abstammt, werden Zuchtbücher geführt und die Tiere zwischen den Zoos ausgetauscht, um Inzucht zu vermeiden. (APA)

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    Vor elf Jahren wurde mit der Wiederansiedlung der Przewalski-Pferde in der Wüste Gobi und in der Mongolei begonnen. Auch Experten des Tiergartens Hellbrunn beteiligen sich daran.

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