Gewerkschaft sieht Schadenersatzklage gelassen entgegen

14. Oktober 2003, 10:34
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Betriebsrat Habele: "Wir bereiten derzeit den nächsten Arbeitskampf vor" - Wiederaufnahme der Gespräche "kein Thema"

Wien - Die Fronten im Arbeitskampf in der Austrian Airlines (AUA) zwischen Piloten und Management sind weiter verhärtet. Eine Wiederaufnahme von Verhandlungen sei derzeit konkret nicht geplant, hieß es von beiden Seiten am Montag. Thematisiert wird der Konflikt unterdessen auch in einer seit 11 Uhr laufenden AUA-Aufsichtsratssitzung. Der AUA-Bordbetriebsrat hat heute seine Ankündigung, die Streiks in dieser Woche fortsetzen zu wollen, erneuert. Aus Sicht der Gewerkschaft wurde der 15-stündige Streik des AUA-Bordpersonals am Samstagabend nicht beendet, sondern "nur unterbrochen".

"Wir bereiten derzeit den nächsten Arbeitskampf vor", sagte AUA-Bord-Spitzenbetriebsrat Wolfgang Hable. Wann die Streiks fortgesetzt werden, würde sehr kurzfristig beschlossen und dem Bordpersonal über SMS-Kurznachricht via Handy kommuniziert. Die Wiederaufnahme von Verhandlungen sei derzeit "kein Thema", die Gewerkschaft sei aber jederzeit zu Verhandlungen bereit, wenn der Vorstand "kompromissbereit" und dessen Positionen "verhandelbar" seien.

Kein Rechtsmittel gegen Streik

Der samstägige Streik hat laut AUA einen unmittelbaren finanziellen Schaden von 1,755 Mio. Euro verursacht. Zusammen mit Kosten durch die beiden vorangegangenen Warnstreiks am 14. und 22. August von 545.000 Euro belaufe sich das Ausmaß der finanziellen Folgen bisher auf 2,3 Mio. Euro. Der vom AUA-Vorstand angekündigten Schadenersatzklage gegenüber der Gewerkschaft HTV und dem Vorsitzenden und den Stellvertretern des Austrian-Bordbetriebsrates sieht Hable gelassen entgegen: "Wir haben keine Bedenken. Das sind die üblichen Drohrituale des Managements, um uns einzuschüchtern". Das Streikrecht könne nicht in Abrede gestellt werden. Es gebe im übrigen in Österreich auch kein Rechtsmittel gegen Streik, so Hable. Auch der ÖGB werde den vom AUA-Management geforderten Schadenersatz "sicher nicht" aus dem ÖGB-Streikfonds begleichen, hieß es heute aus dem ÖGB.

Die AUA hat indes zu den Vorwürfen über nicht ausreichende Sicherheitsstandards bei den wegen des Streiks am Samstag zugemieteten Flugzeugen Stellung genommen: "Alle von uns eingesetzten Maschinen erfüllen die internationalen Sicherheitsbestimmungen", betonte AUA-Sprecher Johannes Davoras. Sorgen, dass die AUA-Gruppe darauf nicht achte, seien "unbegründet" und Behauptungen in diese Richtungen "haltlos und falsch". Der Vorsitzende des Verbands Österreichischer Verkehrspiloten ACA (Austrian Cockpit Association), Wilhelm Maderner, hatte gestern Bedenken angemeldet, dass die Eigentümer dieser Maschinen internationale Sicherheitsvorschriften (so genannte safety audits) nicht erfüllen würden und die AUA deswegen Gefahr laufe, ihren Status als Star Alliance-Partner zu verlieren.

Acht Flüge ausgefallen

Nach mehr als 15 Stunden war am Samstagabend gegen 22.30 Uhr der Streik des AUA-Bordpersonals, bestehend aus 470 Piloten und 1.340 Flugbegleitern, zu Ende gegangen. Ab sieben Uhr früh hatten weit über 500 Stewardessen und Piloten im AUA-Crew-Gebäude am Flughafen Wien-Schwechat gegen die Sparpläne des Unternehmens-Vorstandes gestreikt. Mit 17 zugemieteten Flugzeugen, Umbuchungen und dem Verlagern auf Flieger der Töchter Lauda Air und Austrian arrows (Tyrolean Airways) hat die Austrian trotz Streiks nach eigenen Angaben 95,5 Prozent der geplanten Flüge durchgeführt. Acht Flüge fielen aus, es gab etliche Verspätungen.

Sörensen betont "ernsthafte" Gesprächsabsichten

Der Vorstandsvorsitzende der Austrian Airlines (AUA), Vagn Sörensen, hat am Montag gegenüber der APA die "ernsthaften" Gesprächsabsichten des Managements im Konflikt mit den AUA-Piloten betont. Der von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch gestern, Sonntag, geäußerte Vorwurf, dass der AUA-Vorstand die Verhandlungen diktiere und bisher in keine "echten und ernsthaften" Verhandlungen eingetreten sei, sei "unzutreffend".

Der Vorstand führe "selbstverständlich angesichts der Wichtigkeit des Themas immer ernsthafte Gespräche", so Sörensen. Dabei sei es nie um einen Tarifstreit und nie um die Höhe der Ist-Gehälter der AUA-Piloten gegangen, sondern "um den Versuch, gemeinsam die erforderliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der AUA zu gestalten". Konkret gehe es "um den essenziellen Beitrag des Austrian-Flugbetriebs zum konzernweiten Sanierungsprogramm", der in allen anderen Unternehmensbereichen und Gesellschaften bereits erbracht worden sei. (APA)

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