Aland: Wahlkampf um den Suff

14. Oktober 2003, 17:14
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Urnengang in "schwedischer Region" Finnlands – Wichtigste Themen: Gesundheit, Seefahrt, Bildung, Drogen und Alkohol

Mariehamn/Wien - Am 19. Oktober finden auf den Aland-Inseln Regionalwahlen statt. Zur Wahl stehen 30 Sitze im Autonomie-Parlament. Wahlberechtigt sind rund 19.000 Aländer. Derzeit regiert auf Aland eine Koalition aus der landwirtschaftlich orientierten Zentrumspartei und den Liberalen. Neben dem Tax-Free-Handel auf den Fährschiffen zwischen Schweden und Finnland gehören der Tourismus sowie die Fischerei zu den bedeutendsten Erwerbszweigen. Die Inseln gehören laut europäischem Statistikamt Eurostat zu den 24 reichsten Regionen Europas.

Wahlkampf

Als wichtigste Themen im Wahlkampf nannten in einer Anfang September veröffentlichten Gallup-Umfrage an erster Stelle das Gesundheits- und Pflegesystem. Einer Untersuchung des Senders MTV3 zufolge wurden auf Aland Finnland-weit die meisten Schadenersatzforderungen von Patienten im Anschluss an Krankenhausaufenthalte gestellt. Die Gründe dafür sind umstritten. Weitere wichtige Wahlthemen sind die Themen Seefahrt, Bildung sowie Drogen und Alkohol. Im Bildungsbereich sind vor allem die explodierenden Kosten für das Schulwesen problematisch.

"Nordischer Trend"

Bei der Seefahrt sorgt man sich um die Zukunft dieses für Aland wichtigen Erwerbszweiges. Die aländischen Reedereien befürchten, in Zukunft ohne steuerliche Änderungen nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Beim Alkoholkonsum liegt die Inselregion im allgemeinen nordischen Trend: es wir immer mehr getrunken. Laut der Tageszeitung "Alandstidningen" glauben vor allem Jugendliche, dass der Alkoholkonsum der Erwachsenen auf den Inseln höher ist als beispielsweise im Nachbarland Schweden. Alle größeren politischen Parteien sprechen sich daher für eine vorverlegte Sperrstunde in Alands Bars und Wirtshäusern aus. Derzeit dürfen auf den Inseln Lokale bis 4.00 Uhr offen halten und Alkohol ausschenken.

"Schwedischste Region" Europas

Aland gehört seit 1921 zu Finnland. Die Autonomie der Inseln ist ebenso völkerrechtlich verankert wie die Demilitarisierung der Inseln und deren Neutralität. Die Autonomie enthält unter anderem Bestimmungen zum Schutz der schwedischen Sprache und von aländischem Grundbesitz. Die Ostsee-Inselgruppe rund um die Hauptinsel Aland wird gerne als die "schwedischste Region" Europas bezeichnet, weil das Autonomiestatut der Inseln der schwedischen Sprache Vorrechte gewährt, die weit über die Sprachbestimmungen in Schweden selbst hinausgehen. So ist in der Regionalverfassung ausdrücklich Schwedisch als einzige offizielle Sprache auf den Inseln verankert. Das Modell der aländischen Autonomie wird im Zusammenhang mit dem künftigen Status der südserbischen Provinz Kosovo von serbischer Seite immer wieder als mögliche Lösung genannt.

EU-Beitritt 1995

Im November 1995 stimmten die Aländer mit 73,6 Prozent in einer von Finnland separiert geführten Volksabstimmung für den Beitritt der Inseln zur EU. Die Wahlbeteiligung war damals mit rund 49 Prozent allerdings gering. Das so genannte Alandsprotokoll ist Teil des EU-Rechts und gewährt den Inseln einen Schutz vor Eingriffen durch das EU-Recht in Bestimmungen, die den eingeschränkten Grunderwerb durch Ausländer und die Zuzugsregeln betreffen. (APA)

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    Rund die Hälfte der Touristen kommen aus Schweden.

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