Zeiler, Randa, Piëch & Co

23. Dezember 2003, 10:10
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Was deutsche Unternehmen an Österreichern mögen: Charme, Witz, Manieren und perfektes Networking - Mit Infografik

Der Wettbewerb im eigenen Land zwingt Österreicher ins Ausland. Die Tatsache, dass die österreichische Wirtschaftsstruktur durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt ist, hat zur Folge, dass es einen Wettlauf um die begehrten wenigen Posten im Management, Aufsichtsrat oder Vorstand eines heimischen oder ausländischen Großkonzerns gibt.

Glück in der Fremde

So suchen jährlich Tausende Österreicher ihr Glück in der Fremde und bauen sich unter Einsatz ihrer Fähigkeit zu Integration und Netzwerkbildung rasch eine Existenz an ihrem neuen Wirkungsort auf und bringen diese Eigenschaften auch erfolgreich im Berufsalltag ihres Gastlandes ein. Mit ihren Eigenschaften setzen sich Österreicher häufig überall auf der Welt durch.

Österreichische Manager, die in der deutschen Wirtschaft erfolgreich Spitzenämter bekleiden, zeichnen sich in erster Linie durch ihre fast sprichwörtliche Kompromissfähigkeit aus. Auch Beharrlichkeit, ausgeprägtes "Networking", Charme und diplomatisches Geschick wird den höherrangigen "Auslandsösterreichern" in höherem Maß nachgesagt als ihren deutschen Kollegen.

Erfolg mit Charme ...

Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Personalberatungsagentur Claus Goworr Consulting (CGC) hervor. Darin ging es um die Frage, ob - angesichts der überdurchschnittlichen Zahl von Österreichern an der Spitze deutscher Unternehmern - Österreicher die besseren Manager sind.

Die Umfrage weist gleichzeitig aber auch darauf hin, dass deutsche Unternehmen trotz dieser Fähigkeiten Deutsche als Führungskräfte vorziehen. 78 Prozent der Befragten gaben an, trotz der oben genannten Gründe dennoch Landsmänner zu präferieren, wenn man die Wahl habe.

Gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland, finden sich "überdurchschnittlich" viele Österreicher in Spitzenpositionen in der deutschen Wirtschaft. Hervorgehoben wurden u. a. Gerhard Zeiler (RTL), Helmut Thoma (Ex-RTL) und Ferdinand Piëch (VW), aber auch Gerhard Randa (HVB), Wolfgang Mayrhuber (Lufthansa) oder Paul Achleitner (Allianz).

Für die Studie wurden in Deutschland 200 Personen (Nichtösterreicher) des unteren, mittleren und oberen Managements im Zeitraum von Juni bis Juli quer durch alle Branchen und Industrien befragt.

... und Networking

Die Fähigkeit zur Netzwerkbildung hätten österreichische Manager nahezu verinnerlicht, da sie aus der Enge eines kleinen Marktes kämen, interpretiert Studien-Leiter Claus Goworr die Ergebnisse der Befragung: "Österreich ist klein. Als Konsequenz dieser Enge und der wirtschaftlichen Verflechtungen hängt alles, wie von einem unsichtbaren Band gehalten, zusammen. Wenn jemand einen kennt, dieser eine viele und letztlich jeder jeden kennt - vereinfacht das die Netzwerkbildung ungemein, sofern man einige Spielregeln beachtet."

Dies drücke sich im Auftreten und Führungsverhalten der Manager aus, die darauf Bedacht nehmen, einen Kompromiss zu finden, der sowohl Unternehmensinteressen als auch das Wohl der Mitarbeiter im Auge habe. Die "Meister des Beziehungsmanagement" verfügten über perfekte Umgangsformen, gepaart mit Charme und Witz. Im Konfliktfall helfe das dem Gegenüber immer, das Gesicht zu wahren und "dennoch zielorientiert" zu bleiben.

Nur 8,7 Prozent

Trotz des guten Zeugnisses, das österreichischen Managern generell ausgestellt wird, würden nur 8,7 Prozent der Befragten einen Österreicher für eine Führungsposition im eigenen Unternehmen vorziehen.

"Obwohl deutsche Führungskräfte die Talente zweifelsfrei anerkennen und schätzen, würde die Mehrheit von ihnen bei freier Wahl einen Manager deutscher Nationalität vorziehen", resümiert Goworr. (DER STANDARD Printausgabe, 11./12.10.2003, APA)

  • Was Österreichs Managern attestiert wird: Beharrlichkeit, Traditionsdenken, Diplomatie und Anpassungsfähigkeit
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    Was Österreichs Managern attestiert wird: Beharrlichkeit, Traditionsdenken, Diplomatie und Anpassungsfähigkeit

  • Den Sprung in deutsche Topetagen geschafft: helmut Thoma (Ex-RTL-Chef), Hans Mahr (RTL-Chefredakteur)
    foto: semotan

    Den Sprung in deutsche Topetagen geschafft: helmut Thoma (Ex-RTL-Chef), Hans Mahr (RTL-Chefredakteur)

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