Der Mann, der den roten Teufel reitet

27. Oktober 2003, 15:58
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Michael Schumacher ist ein Markenzeichen für die Formel 1 geworden, die hat begonnen, die Wirtschaftskrise zu spüren

Seit Sonntag ist Michael Schumacher kein "Sympathieträger" mehr. So nämlich ist er bislang stets genannt worden: Sympathieträger in Anführungsstrichen; augenzwinkernd also, hämisch, das genaue Gegenteil meinend. Diesen Spott hat Michael Schumacher mit geradezu übermenschlicher Gelassenheit ertragen, seit er 1991 in einem Jordan ins Formel-1-Geschäft eingestiegen ist. Dass die Leute ihn mögen, das schien ihn überhaupt nicht zu interessieren.

Die Charaktereigenschaften, die er auf und mit seinem Berufsweg zu verkörpern suchte, waren andere: Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Eifer, Ausdauer, gezielte Rücksichtslosigkeit, wenn es denn sein musste. Und damit wurde der Deutsche, den sie manchmal auch "Schummel-Schumi" nannten, zu einer Art Sinnbild nicht nur des Rennsports.

Nun ist er auch das nicht mehr. Seit Sonntag ist Michael Schumacher, wenn man das so sagen will, jenseits. Ihn nun, da er alle Rekorde, die in der Formel 1 auch nur halbwegs von Bedeutung sind, mit seinem Namen versehen hat, wäre es wohl völlig vermessen, ihn einen "Sympathieträger" zu nennen. Das wäre, als wolle man einen Ferrari mit dem Umstand heruntermachen, dass auch er nur vier Räder hat. Der sechste Weltmeistertitel hat Michael Schumacher endgültig zu einem modernen Sportmythos gemacht, womit nicht ganz auszuschließen ist, dass Ferraris Pferd demnächst schon den markanten Kopf des Deutschen tragen wird. Ein Markenzeichen ist er ja schon.

Immerhin ist mit seinem Namen auch - oder vor allem - die Auferstehung des legendären roten Rennstalls aus Maranello verbunden. Nach zwei WM-Titeln im Benetton wechselte er 1996 zu Ferrari, in dem er ab dem Jahr 2000 vier weitere Titel holte, den ersten seit 1979.

In der Zeit, in der Schumacher den Zirkus Formel 1 geprägt hat, ist dieser Sport fundamental anders geworden. Die Hausse der Neunzigerjahre führte auch in der Formel 1 zu neuen, gigantischen Dimensionen. Aus dem Sport von besessenen Rennsportverrückten wurde Big Business mit geradezu unfassbaren Umsätzen. Bernie Ecclestone verschränkte das "Im-Kreis-Fahren" eines Niki Lauda eng mit dem Fernsehen: ein unschlagbar scheinendes Duo, wenn es darum ging, den weltweit agierenden Marken eine weltweit agierende Plakatfläche zur Verfügung zu stellen. Insider schätzen, dass im Vorjahr die Summe aller Rennstallbudgets deutlich über zwei Milliarden Dollar - immer noch die Leitwährung der Raser - lag. Ferrari allein rechnet angeblich mit 400 Jahresmillionen. No na, dass auch das Entgelt für die Fahrerarbeit entsprechend mitzog. Rund 35 Millionen Dollar kassiert Michael Schumacher jährlich bei Ferrari, wo er heuer für weitere drei Jahre unterschrieben hat.

Die Budgetexplosion der Neunzigerjahre geht freilich, meinen die Beobachter, nun allmählich zu Ende. Die kleineren Teams kämpfen ums Überleben. "Der Markt", sagt zum Beispiel Udo Kürbs, der Herausgeber der Fachzeitschrift Sponsor News, "ist ausgebrannt." Schumacher ist da um eine Spur zuversichtlicher: "Selbst wenn die Masse der Sponsoren irgendwann nicht mehr das sein sollte, so werden sicherlich immer die großen und zahlungskräftigen Unternehmen vertreten sein. Ich bin überzeugt, dass der Markt dies letztlich allein regelt." Denn immerhin, so sein Manager Willi Weber, "ist die Formel 1 die größte Marktingbühne der Welt, und diese Bühne brauchen die Global Player auch in Zukunft". (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2003)

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    Champagner für den sechsfachen Champion.

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