Mehr Priorität für Innovation

19. Oktober 2003, 20:22
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Ertragsoptimierung für Industriebetriebe wichtiger als Innovation - Gefahr für Standort

Innovation hat für Österreichs Industriebetriebe nicht mehr die Toppriorität vergangener Zeiten. Wichtiger sind derzeit Ertragsoptimierung, Kostensenkung, Reengineering, Restrukturierung und Konsolidierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Arthur D. Little (ADL), für die 50 heimische Industrieunternehmen im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) über die Innovationspolitik in Österreich befragt wurden.

Anlass für Alarmstimmung muss dies offenbar aber noch nicht sein, denn Österreichs Unternehmen gelten immer noch als besonders forschungsorientiert. Denn 85 Prozent der befragten Unternehmen haben nicht vor, ihre Ausgaben für Forschung & Entwicklung (F&E) zu kürzen. Im Gegenteil, mehr als ein Drittel davon will seine F&E-Investitionen sogar ausbauen. Und die Klein- und Mittelbetriebe (KMU) belegen im F&E-Ranking immerhin Rang zwei.

Zum Vergleich: In Deutschland und der Schweiz ist die Innovationsbereitschaft mit 73 beziehungsweise 78 Prozent niedriger, obwohl die eidgenössische Industrie ihre staatlichen Rahmenbedingungen als besser beurteilt. Dort wollen 39 Prozent zumindest das Niveau halten, während dies in Österreich sogar die Hälfte der von ADL befragten Unternehmen tun will.

In der Minderheit sind die Pessimisten: Nicht einmal ein Fünftel der heimischen Industriebetriebe überlegt eine Kürzung des Forschungsetats, in Deutschland ist dies immerhin ein schwaches Drittel.

Für Gerhard Riemer, den Innovationsexperten der IV, ist dies ein Indiz dafür, "dass der Aufschwung knapp bevorsteht". Da mehr als die Hälfte der befragten Entscheidungsträger aber der Ansicht sei, Österreich könne als Innovationsstandort mit anderen führenden Industrieländern nicht mithalten, brauche es vor der EU-Osterweiterung dringend einen staatlichen Innovationsimpuls. Denn die Erweiterung bringe einen Modernisierungszwang.

Sonst drohe der Forschungsstandort Österreich ins Hintertreffen abzudriften - wenngleich die steuerliche Absetzbarkeit von Innovationsaufwendungen, die 600 Technologiemillionen (bis 2006) und Vereinfachungen im Anlagenrecht als Verbesserungen honoriert werden.

Die drei Forderungen der IV: die Einrichtung einer Forschungsstiftung, die jährlich mindestens hundert Millionen Euro Erlös ausschütten soll, die Bündelung der staatlichen Fördereinrichtungen in einem "Haus der Forschung" und die längst überfällige Strukturreform.

Keinesfalls gestrichen werden dürfte der 35-prozentige Freibetrag für zusätzliche Aufwendungen (im Schnitt der letzten drei Jahre, Anm.), warnt Riemer: "Das wäre das falsche Signal." Im Gegenteil, es bräuchte zusätzliche Anreize für KMU, wie eine Anhebung der Forschungsprämie von derzeit fünf auf zwölf Prozent und die Einführung eines generellen Forschungsfreibetrags von 25 Prozent. (ung/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 10. 2003)

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