Vertrauen als Geschäftsgrundlage

19. Oktober 2003, 20:22
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IT-Fachleute sprachen über Zukunftsaussichten von E-Business

Noch vor wenigen Jahren begannen große Firmen aus einem einzigen Grund ins Internet zu gehen: aus nackter Angst. Angst, mit der neuen Technologie und ihren Möglichkeiten nicht mithalten zu können, oder Angst davor, ihren Kunden nicht alles das zu bieten, was die Konkurrenz bieten könnte. 2003 ist das anders, so ist man bei Evolaris, dem Forschungs- und Kompetenzzentrum für wirtschaftliche und rechtliche Fragen des Internets mit Sitz in Graz - überzeugt. Heute will man das mit dem Netz machen, was das Wort E-Business verspricht, nämlich Geld.

Bei einem kürzlich veranstalteten, international besetzten Business-Lunch sprachen internationale Fachleute wie David Verrill vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) darüber, wie man ihrer Ansicht nach wirtschaftlichen Gewinn mit dem Internet erzielen könnte. Und darüber, welche Anstrengungen die Forschung gemeinsam mit der Wirtschaft unternehmen muss, um E-Business zu einem selbstverständlichen Wirtschaftsfaktor zu machen. Evolaris-Chef Otto Petrovic, der auch Professor am Institut für Organisations- und Personalmanagement der Grazer Karl-Franzens-Universität ist, will mit derartigen Veranstaltungen über den Tellerrand der eigenen Erkenntnisse schauen.

Virtueller Mechaniker

Verril entwarf in seinem Vortrag Zukunftsszenarien zu den Auswirkungen des Internets auf die Wirtschaft und veranschaulichte an praktischen Beispielen, wie Firmen mit speziell gestalteten Websites das Vertrauen ihrer Kunden dafür gewinnen konnten, Geschäfte im Internet abzuwickeln. Das fehlende Vertrauen ins Netz sei, so Verrill, die letzte Hürde für die Entfaltung von E-Business. Ein Problem, das etwa General Motors, Wirtschaftspartner des von Verrill geleiteten Center for E-Business, durch einen rund um die Uhr verfügbaren, persönlichen "virtuellen Mechaniker" gelöst habe.

Hans-Liudger Dienel vom Zentrum Technik und Gesellschaft an der TU Berlin stellte eine Variante vor, wie Vertrauen durch Information entstehen könnte - nämlich das Forschungsinformationssystem FIS, durch das Mitarbeitern der Ministerien der Zugang zu relevanten Daten ermöglicht wird. Ein System, das auch in Österreich Zukunft haben könnte. (cms/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 10. 2003)

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