Gut Holz für bessere Luft

19. Oktober 2003, 20:22
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Biomasse gilt als die ideale Alternative, um beim Heizen die Umwelt zu schonen. Doch bisher hat sie sich nicht durchgesetzt. Was zum Teil auch an der Bedienbarkeit der Technologien liegt. Die Forschung arbeitet an Verbesserungen

Familie Holzner, Cartoonfamilie des Österreichischen Biomasse-Verbandes, heizt natürlich mit Holz. Man kann damit "bequem Wärme erzeugen", suggeriert der Slogan der Werbekampagne. In nur 540.000 österreichischen Haushalten sorgt Holz tatsächlich für Wärme. Der Markt ist ausbaufähig, meint der Biomasse-Verband.

"Mindestens 500.000 Wohneinheiten und öffentliche Gebäude müssten bis 2010 von Öl und Gas auf erneuerbare Energieträger umsteigen, um die angepeilte Verringerung der Treibhausgasemissionen aus dem Raumwärmeverbrauch zu erreichen", meinte Heinz Kopetz, Präsident des Biomasse-Verbandes am Österreichischen Biomassetag in Raggal. Davon sei man aber noch weit entfernt, kritisierte er: "Zwischen 1994 und 2002 stieg die Zahl der Hauptwohnsitze, die mit Öl und Gas beheizt werden, auf fast 1,9 Millionen. Die mit Holz beheizten Wohnungen sanken von 600.000 auf 540.000." Obwohl Österreich bei der Verwendung von Kleinfeuerungsanlagen europaweit führend ist, sei der Markt längst nicht ausgereizt. Rohstoff wäre genug vorhanden. Nur 19,6 Millionen von 31 Millionen Festmetern an Energieholz werden jährlich genutzt.

Investitionskosten und Aufwand bei der Umstellung auf Biomasseheizsysteme seien Hinderungsgründe für eine beschleunigte Markteinführung. Die Forschung sei gefordert. Rund sieben bis 14 Millionen Euro werden jährlich in Umwelttechnikprojekte investiert, sagt Doris Pollak vom Forschungsförderungsfonds der gewerblichen Wirtschaft (FFF). "Rund die Hälfte davon in die Verbrennungstechnologie." Eines der wesentlichsten Ziele der Forschungsförderung: "Die Heizung muss für Endverbraucher praktisch sein." Forschungsaufwand sieht Doris Pollak noch bei der Pelletstechnologie (siehe Wissen), vor allem was Lärmentwicklung und Dosierung anbelangt. Die Verbrennung von Stückholz sei hingegen technisch ausgereift.

"Die Feuerungsanlagen arbeiten heute zuverlässig und auch im kleinen Leistungsbereich meist vollautomatisch." Reinhard Padinger vom Joanneum Research Graz gab beim Biomassetag einen Überblick über die neuesten Entwicklungen, zeigte aber auch weiteren Forschungsbedarf in der Feuerungstechnologie auf. So werde in Graz intensiv an einem automatisch beschickbaren Pelletskachelofen gearbeitet.

Das ebenfalls in Graz beheimatete Austrian Biology Centre konzentriert sich neben der Qualitätsverbesserung von Holzpellets und der Emissionsverminderung auf die Entwicklung kleiner Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zur Stromerzeugung und eines Kessels zur Verbrennung von Strohpellets.

Größere Brötchen bäckt das Kompetenznetzwerk "Energie aus Biomasse", das sich dem Schwerpunkt Stromerzeugung widmet. Das Netzwerk besteht derzeit aus zwei Kompetenzknoten Güssing (bereits in Betrieb) und Wiener Neustadt (in der Anlaufphase). In Güssing wurde eine Demonstrationsanlage der Wirbelschichtdampfvergasung und in Wiener Neustadt eine zur Festbettvergasung realisiert. Ziel ist es, ein marktfähiges Biomassekraftwerk mit stromgeführter Kraft-Wärme-Kopplung auf den Markt zu bringen. (Jutta Berger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 10. 2003)

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