Haupt in der Doppelmühle

23. Oktober 2003, 17:28
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Mag auch Kanzler Wolfgang Schüssel beinahe wöchentlich über ihn drüberfahren, er ist immer noch da - Ein Kommentar von Eva Linsinger

Mag auch Kanzler Wolfgang Schüssel beinahe wöchentlich über ihn drüberfahren, mag der Verfassungsgerichtshof seine Reformen wie den Umbau des Hauptverbandes aufheben - einen Erfolg kann Vizekanzler Herbert Haupt unbestritten für sich verbuchen: Er ist immer noch da. Er hat allen Versuchen des blauen Altvaters Jörg Haiders getrotzt, ihm die FPÖ-Obmannschaft zu entreißen.

Diese für viele überraschende Standfestigkeit Haupts hindert Haider aber nicht daran, permanent querzuschießen und Haupt durch Störfeuer mürbe zu machen. Derzeit verlangt Haider eine Regierungsumbildung und eine Neuorientierung der FPÖ - in Kürze wird er irgendetwas anderes fordern und andere Kritikpunkte an der blauen Regierungsperformance finden.

Ist doch dauerndes Keppeln nicht nur unverzichtbares Merkmal von Haiders Politikverständnis, sondern momentan auch wichtiger Bestandteil seines Kärntner Wahlkampfs. Nur durch laute Kritik an der Bundespartei hat Haider eine kleine Chance, von den Kärntnern nicht für die Arbeit der Bundesregierung bestraft zu werden. Zudem baut sich Haider schon jetzt einen Sündenbock für eine verlorene Kärntner Wahl auf - die Bundesblauen, die seine wunderbaren Ratschläge nie befolgen.

Das bringt Haupt in eine Doppelmühle. Denn fährt Haider in Kärnten ein für derzeitige FP-Verhältnisse respektables Ergebnis ein, wird Haider es als seinen und nicht Haupts Erfolg verkaufen und umso lauter nach Wien drängen. Stürzt Haider aber in Kärnten ab, wird nicht er mit seiner dürftigen Bilanz als Landeshauptmann schuld sein - sondern die Bundes-FPÖ mit Haupt und Co., die nie auf Haider gehört hat. Diese Doppelmühle baut Haider derzeit auf - und diese Mühle ist so unangenehm, dass sie auch Haupts Hartnäckigkeit überfordern könnte.

(DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2003)

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