Hinter Arnies Maske

23. Oktober 2003, 17:28
8 Postings

Mit seinem perfekt orchestrierten Wahlkampf hat Schwarzenegger bewiesen, was Kulturpessimisten argwöhnen, befindet Christoph Winder

Mit seinem kurzen, aber perfekt orchestrierten Wahlkampf hat Arnold Schwarzenegger bewiesen, was Kulturpessimisten seit Erfindung des Fernsehens argwöhnen: dass fachliche Unerfahrenheit, programmatische Leere und die Vorspiegelung von dauerhaft guter Laune einer politischen Karriere nicht nur nicht schaden müssen, sondern sie im Gegenteil erst so richtig in Fahrt bringen können.

Dafür, dass sie sich auf das undurchschaubare Arnie-Angebot eingelassen haben, müssen nun die Kalifornier mit verschärften Einschätzungsproblemen bezahlen. Auch knapp eine Woche nach der Wahl zeigt ein Blick in US-Medien die große Ratlosigkeit: Ob der Gouverneur gewordene Muskelmann sich am Ende des Tages als Witz- oder als Heilsfigur herausstellen wird, ist vielen völlig unklar. Während sich die Schriftstellerin Susan Sontag am Wochenende klar für die Variante "Witz" entschieden hat, jubelt Steve Lopez, ein L.A. Times-Kolumnist, dass Arnold "die Mauern niederreißt, die uns Kalifornier trennen".

Wer ist aber, was kann Arnie nun wirklich? All jenen, die sich im Irrgarten von Schwarzeneggers Identitäten nicht mehr zurechtfinden, mögen sich damit trösten, dass ihn die kalifornischen Realitäten bald dazu zwingen werden, politische Offenbarungseide zu leisten. Vor den anstehenden Budgetkämpfen mit dem demokratisch dominierten Staatsparlament hat Arnie angedeutet, dass er vermehrt zum Mittel des Referendums greifen könnte, um die Abgeordneten auszuhebeln: Das ist angesichts des oft beklagten Überschusses an direktdemokratischer Kultur in Kalifornien ein nicht unriskanter Weg.

Noch viel spannender wird es allerdings, wenn der ökologisch eher progressive Schwarzenegger mit seinen Parteifreunden in der Regierung Bush, denen man keine übertriebene Sorge um die Umwelt nachsagen kann, auf Konfrontationskurs geraten sollte. Spätestens dann werden einige Masken mit Getöse fallen.

(DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2003)

Share if you care.