Von Verlängerung zu Verlängerung

14. Oktober 2003, 11:44
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Ioan Holenders Staatsopernmarathon

Die Rache des Journalisten, heißt es, sei das Archiv. Möglich. Aber es gibt auch andere Beobachter, die sich an Aussagen erinnern. Etwa an eine von Ioan Holender: Der Staatsoperndirektor verkündete am 27. März 2001, dass er 2007 in Pension gehen werde, dann sei er 72. Die Beobachter wundern sich gegenwärtig.

Ihnen kam zu Ohren, der Vertrag des Direktors werde wieder einmal verlängert. Um drei Jahre bis 2010. Ein Gerücht, könnte man meinen. Doch seltsam: Jeder Versuch, das Gerücht zu verifizieren, schlug fehl. Der Direktor werde sich melden, hieß es zuerst, tags darauf, er werde doch nicht zurückrufen können, weil er keine freie Minute habe. Auch die Sekretärin von Holding-Chef Georg Springer durfte nicht durchstellen: Der Geschäftsführer stecke permanent in Sitzungen. Selbst die Pressesprecherin von Kunststaatssekretär Franz Morak war am Handy unerreichbar.

Die nervöse Stimmung hat ihren Grund. Denn die Vertragsverlängerung soll am Dienstag über die Bühne gehen. Und noch mit Schrecken erinnert man sich an den März 2001 zurück: Morak hatte über Nacht zu einer Pressekonferenz (PK) geladen, weil der eine oder andere von der geplanten dritten Vertragsverlängerung Wind bekommen hatte. Damit niemand die Geschichte abstechen konnte, wurde eine PK zum Thema "Budget 2002" angekündigt. Der Trick gelang: Laut Aussendung des Staatssekretariats wurde die Vertragsverlängerung "am Rande einer Pressekonferenz mitgeteilt", tatsächlich aber war sie ihr einziger Inhalt. "Das ist eine wirkliche Nummer, die hier abgezogen wird", sagte Morak.

Da hatte er Recht. Denn der Staatssekretär machte einen Fehler: Laut Bundestheaterorganisationsgesetz hätte er zuvor den Aufsichtsrat bezüglich der geplanten Verlängerung informieren und anhören müssen. Was unterblieben war, da dieser erst am 4. April 2001, also nach dem Coup tagte. Die Grünen witterten Amtsmissbrauch, schalteten den Staatsanwalt ein.

Helmut Wohnout, Moraks Büroleiter, behauptete daraufhin gegenüber der APA, sein Chef wie auch Holender hätten bei der PK nur die "beiderseitige Bereitschaft" zur Vertragsverlängerung bekundet. Was anwesende Journalisten kaum so aufgefasst hatten: Die APA z.B. bracht eine Eilmeldung, der Titel: "Holender bis 2007 verlängert".

Die Erörterung

Die Kalamitäten des März 2001 sollen nun vermieden werden: Morak will, bevor er eine neuerliche Vertragsverlängerung bekannt gibt, diese im Aufsichtsrat erörtert wissen. Und dessen Mitglieder treffen sich zu einer turnusmäßigen Sitzung am Dienstag.

Die Verlängerung bis 2010 wäre bereits die vierte. Holender war 1991 als Generalsekretär mit Eberhard Waechter an die Staatsoper gekommen. Nach dessen Tod (1992) wurde er mit der Fortführung der Geschäfte bis 1997 betraut. 1994 verlängerte Kunstminister Rudolf Scholten den Vertrag bis 2002. 1998 erhielt Holender einen Vertrag bis 2005. Und 2001: Verlängerung durch Morak.

Bei der PK sagte Holender damals: "Drei Jahre hätte ich gekriegt, aber da wäre von einer neuen Amtszeit die Rede gewesen. Eine Verlängerung um ein Jahr hätte wie eine Gnadengeschichte gewirkt. Zwei Jahre sind glaubhaft, dass es dann nicht noch länger dauert." Was wird er, wenn die Gerüchte über drei weitere Jahre stimmen, nun sagen? (DER STANDARD, Printausgabe vom 13.10.2003)

Von
Thomas Trenkler
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