Der Kampfpilot

20. Oktober 2003, 14:29
53 Postings

AUA-Betriebsratschef Rudolf Nowak geht im Auftrag der Belegschaft auf Konfrontationskurs

Am Sonntag, einen Tag nach dem 15-stündigen Streik der AUA-Bordmannschaft, flog AUA-Betriebsratschef Rudolf Nowak, der vor einem halben Jahr seinen 50. Geburtstag feierte, bereits wieder. Diesmal in eigener Sache, nach Berlin, wo er zum halbjährlichen Check am Flugsimulator antreten musste. Dort wird regelmäßig die Flugtauglichkeit der Piloten überprüft.

Nowak, seit 27 Jahren bei der AUA, ist nicht nur Flugkapitän der Langstreckenflotte Airbus 320, 330 und 340, sondern auch Ausbildner im Unternehmen. Dass er vor drei Jahren Chef des Bordbetriebsrates wurde, kam für viele überraschend: Das Team um seinen Vorgänger Albin Schwarz hatte 2001 - nach zwölfjähriger Tätigkeit - nicht erst nach vier, sondern bereits nach drei Jahren die Funktion zurückgelegt.

Stets um Ausgleich bemüht

Eine neu kandidierende Liste gewann damals die Wahl und entschied sich nicht für den Spitzenkandidaten, sondern den als gemäßigt geltenden Nowak an die Spitze des Bordbetriebsrats zu stellen. Die Vorverlegung der Betriebsratswahl hing mit der damals erwarteten Abberufung des alten AUA-Vorstands Pammer und Rehulka zusammen. Die Belegschaftsvertreter wollten nicht mit einer unerfahrenen Mannschaft der neuen Führung um Vagn Sörensen gegenübertreten.

Nowak gilt in der Kollegenschaft als bedacht, stets um Ausgleich bemüht. Er sei kein Hardliner, deshalb, so heißt es, wurde mit dem Streik auch länger gewartet. "Ohne ihn wären wir schon früher mit dem Vorstand in einem gröberen Konflikt gewesen", gibt ein Betriebsratskollege offen zu. So gab es durchaus Kollegen, die bereits zu Jahresbeginn gestreikt hätten.

Brennpunkt Bratislava

Doch der Betriebsrat weiß zu gut, wogegen er sich wappnen muss: Mit der EU-Osterweiterung drängt ab Mitte nächsten Jahres Billigpersonal aus dem Osten auf den Markt. "Die gründen dann in Bratislava eine Personalgesellschaft und fahren ihre Piloten mit dem Bus zu uns nach Schwechat, und die fliegen dann mit unseren Flugzeugen. Dort liegt die Gefahr", sagte Nowak in einem Interview.

Sein Ziel ist außerdem ein Mantelkollektivvertrag für die gesamte AUA-Gruppe und in der Folge ein Branchenkollektivvertrag. "Schließlich haben Installateure, Elektriker und Bäcker auch einen. Nur wir nicht, weil man mit uns spielen will", ärgert sich Nowak. ,

Bürgerlicher Feinspitz

Nowak ist sportlich, spielt gern Tennis, fährt Ski und ist ein Feinspitz. Als der ÖGB vor zwei Jahren die Gehälter seiner Funktionäre veröffentlichte, wurde auch Nowaks Salär offenbar: 2001 verdiente er in der 17. Gehaltsstufe 12.000 Euro im Monat. Für seine Betriebsratstätigkeit bekommt er nichts. Der politisch dem bürgerlichen Lager zugerechnete Pilot ist mit einer früheren Flugbegleiterin verheiratetet. Das Paar ist kinderlos. (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.10.2003)

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.