Trauerfeier am ersten Jahrestag der Bombenanschläge von Bali

13. Oktober 2003, 15:43
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Über 2.500 Menschen gedachten der Opfer

Bali/Sydney - Ein Jahr nach den Terroranschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali haben am Sonntag mehr als 2.500 Menschen der 202 Opfer gedacht. Unter den Trauergästen aus 22 Ländern war auch der australische Ministerpräsident John Howard. "Sie haben einen Verlust erlitten, der nie wiedergutgemacht werden kann", sagte er an die Angehörigen gewandt. "Wir haben sie nicht vergessen und wir werden es auch nicht. Australien wird nie den 12. Oktober 2002 vergessen." Weitere Redner erinnerten daran, dass keine Religion terroristische Anschläge dulde. Der frühere australische Generalkonsul auf Bali, Ross Tysoe, verlas einzeln die Namen der Getöteten. Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri blieb der Veranstaltung fern.

Australische Militärgeistliche leiteten die Trauerfeier, während der christliche, islamische und hinduistische Texte und Gebete verlesen wurden. Der Gitarrist John Williamson spielte "Waltzing Matilda", die inoffizielle australische Nationalhymne. Anschließend wurden in einem "Becken der Erinnerung" 22 Kerzen als Symbol für die Herkunftsländer der insgesamt 202 Opfer angezündet. Angehörige lagen sich weinend in den Armen, als sie Jasminblätter in das Becken streuten. Trotz Warnungen vor möglichen weiteren Anschlägen waren die Plätze für die zentrale Gedenkfeier unter offenem Himmel fast vollzählig besetzt. Rund 2000 Polizisten - annähernd so viele wie Teilnehmer - waren zur Sicherung der Gedenkfeiern eingesetzt.

Auch in Australien wurde am Sonntag der Opfer der Bali-Attentate gedacht. Viele Menschen trugen Trauerbänder, landesweit wurden Gedenkgottesdienste abgehalten. Nach Ansicht zahlreicher Kommentatoren haben die Anschläge das Land verändert. "Plötzlich war der Krieg vor unserer Haustür", sagte der außenpolitische Oppositionssprecher Kevin Rudd im australischen Rundfunk. 88 Australier waren bei den Anschlägen ums Leben gekommen. Unter den Opfern waren unter anderen auch 38 Indonesier, 22 Briten und sechs Deutsche.

Am 12. Oktober 2002 war kurz vor 23.00 Uhr (Ortszeit) ein Wagen mit 50 Kilogramm Sprengstoff vor der Discothek "Sari Club" geparkt worden. Dann betrat ein Indonesier mit einer Bombe am Körper den Club "Paddy's" und sprengte sich in die Luft. Die Menschen rannten in Panik auf die Straße, wo dann das Auto explodierte und viele Menschen in den Tod riss. Es war der erste Selbstmordanschlag in der Geschichte Indonesiens.

Für die Attentate wird die islamistische Organisation Jemaah Islamiyah verantwortlich gemacht, der Verbindungen zum weltweiten Terrornetz El Kaida von Osama bin Laden nachgesagt werden. Es war der schwerste Terroranschlag seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Im Zusammenhang mit den Anschlägen wurden bereits drei Angeklagte zum Tode verurteilt, fast 20 weitere erhielten Haftstrafen.

Australien hatte die Gedenkfeier auf Bali organisiert, obwohl die Regierung eine Reisewarnung für Indonesien herausgegeben hatte. Der Gouverneur von Bali, Dewa Made Beratha, erklärte, Hindus würden normalerweise nicht an den ersten Todestag der Opfer erinnern, weil sie an die Wiedergeburt glaubten. Bali ist im Gegensatz zum Rest Indonesiens mehrheitlich von Hindus bewohnt. (APA/AP)

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    "Wir haben die Opfer nicht vergessen und wir werden es auch nicht"

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