Rekord-Champ will keine Legende sein

23. Oktober 2003, 16:41
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Michael Schumacher lehnt Vergleiche mit anderen Sportgrößen standhaft ab und ist im 13. Jahr seiner Karriere immer noch ein bisschen schneller als die Konkurrenz

Formel 1: Michael Schumacher ganz oben - Legende will er nicht sein Schumacher jetzt in einer Reihe mit Ali, Pele, Jordan und Woods

Suzuka - Talent, harte Arbeit und das Streben nach Perfektion hat Michael Schumacher in der Formel 1 einmalig gemacht. Dennoch schätzt der 34-Jährige Deutsche den nun übertroffenen Argentinier Juan Manuel Fangio als Größten ein. "Er steht höher als ich", sagte der neue Rekordtitelträger nach seinem sechsten WM-Titel am Sonntag in Japan.

Das ist typisch für Schumacher. Er ist nicht nur zu einer Motorsport-Allzeitgröße aufgestiegen und steht in einer Reihe mit den den berühmtesten Sportlern überhaupt. Doch auch diese Vergleiche wehrt Schumacher ab. "Eine lebende Legende? So fühle ich mich nicht. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der ein bisschen schneller Auto fahren kann als andere", sagte er einmal.

Der gelernte Kfz-Mechaniker fährt auch nach 13 Jahren in der Formel 1 noch immer ein bisschen schneller als die Konkurrenz, zeigt noch immer keine Abnutzungserscheinungen und ist erfolgshungrig wie eh und je. Sein Fahrgefühl, seine Konzentrationsfähigkeit, seine Leidenschaft für das Rennfahren, seine Lust an der Herausforderung, seine Begeisterung für die Technik und sein Mut sind Zutaten seines Erfolgsrezepts. Sein Fleiß und seine Professionalität auf und neben der Strecke machen den Unterschied zu den Konkurrenten aus.

An Souveränität gewonnen

Seine Motivation ist ungebrochen. "Wenn Sie an einer Sache Spaß, extrem viel Spaß haben, dabei mit Freunden zusammen daran arbeiten können und sogar noch gemeinsam Erfolg haben, welche bessere Motivation könnte es da geben?" Doch verleitet sie Schumacher nicht mehr zu umstrittenen Aktionen wie in früheren Jahren, die ihm auch einen schlechten Ruf eingebracht haben.

Die spektakulärste war 1997 sein Rammstoß im letzten Saisonrennen in Jerez gegen seinen WM-Rivalen Jacques Villeneuve. Schumacher schied selber aus. Einen Monat später wurde ihm die Vize-Weltmeisterschaft aberkannt.

Teil eines Teams

Heute ist Schumacher ruhiger geworden. Der Hobby-Fußballer weiß, dass seine Erfolge ohne funktionierende Mannschaft nicht möglich sind und sieht sich vor allem als ein Teil der Scuderia. "Dieses Team ist grandios", wiederholte er in Suzuka. "Michael ist ein fantastischer Mannschaftsspieler", lobt auch sein Teamchef und väterlicher Freund Jean Todt. "Er begreift Ferrari als Team. Das macht ihn so wertvoll."

Die Ferrari-Verantwortlichen wissen, was sie an Schumacher haben. Als er 1996 an Stelle von Gerhard Berger kam, hatte Ferrari nur eine große Vergangenheit. Mit seinem dritten WM-Titel 2000 nach den Benetton-Erfolgen 1994 und 1995 beendete er die 21-jährige Ferrari-Durststrecke und begründete eine "rote" Ära. Die Italiener lassen sich die Dienste des Ausnahmefahrers viel kosten. Sein Jahreseinkommen wird nach vorsichtigen Schätzungen auf mindestens 25 Millionen Euro taxiert.

Schumacher hat gelernt, mit dem Rummel um seine Person professionell umzugehen, ohne viel von sich preis zu geben. Seine Privatsphäre schottet er ab. In der Schweiz lebt er mit Frau Corinna und den Kindern Gina Maria (6) und Mick (4) zurückgezogen. "Ich habe zum Glück eine supertolle Familie. Wenn ich nach Hause komme, ist der Rennsport nur kurz ein Thema." (APA/dpa)

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    Schumacher-Fans feiern ihren Helden in seinem Heimatort Kerpen

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