Slowenische Presse zurückhaltend zu 10.-Oktober-Feiern in Kärnten

13. Oktober 2003, 12:39
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"Delo": "Ausbruch des Provinzialismus" - Petritsch: "Glasglocke des falsch verstandenen Traditionalismus"

Laibach - Kritisch, aber betont zurückhaltend, haben slowenische Medien am heutigen Samstag auf die Feier anlässlich des 83. Jahrestages der Volksabstimmung in Kärnten vom Freitag reagiert. Unter dem Titel "Ausbruch des Provinzialismus" schreibt die Zeitung "Delo", nur einige Monate vor dem EU-Beitritt Sloweniens sei die traditionelle Feier zum Jahrestag der Abstimmung über den Verbleib Südkärntens bei Österreich am 10. Oktober 1920 im Zeichen des "nationalistisch gefärbten Provinzialismus" abgehalten worden, wobei vor allem vom Erhalt der Karawanken-Grenze die Rede gewesen sei. Unterstrichen wurde das Fernbleiben der Kärntner Slowenen von der Feier in Klagenfurt.

Aus der Rede des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (F) wurde dessen Kritik an der slowenischen Kulturministerin Andreja Rihter hervorgehoben. Diese erklärte kürzlich bei einer slowenischen Veranstaltung in Klagenfurt, mit dem slowenischen EU-Beitritt würden die Grenzen verschwinden und die Slowenen könnten in einem einheitlichen Kulturraum leben. Vermerkt wurde auch Haiders Kritik an österreichischen Medien. Sie hätten die Volksabstimmungsfeier als "Anachronismus, der nur noch in Kärnten möglich ist" bezeichnet. Andere slowenische Zeitungen vermerkten, bei der Feier habe man gespürt, dass die nationalistischen Kreise in Kärnten mit der EU-Erweiterung keineswegs zufrieden seien.

"Glocke des Traditionalismus"

Ohne sich direkt auf das Jubiläum zu beziehen, veröffentlichte "Delo" einen Kommentar mit dem Titel "Unter der Glocke des Traditionalismus". Zitiert wurde der österreichische UNO-Botschafter in Genf, der gebürtige Kärntner Wolfgang Petritsch. Kärnten stecke noch immer unter einer "Glasglocke des falsch verstandenen Traditionalismus" und man stoße auf "unglaubliche Schwierigkeiten", wenn man diesbezüglich etwas ändern wolle, sagte Petritsch laut "Delo". Es werde sich "rundherum" noch vieles ändern müssen, bis sich auch im Grenzgebiet etwas ändere, meinte der aus dem Kärntner Grenzort Ferlach stammende Diplomat.

Laut "Delo" hat sich aber "rundherum" nicht viel verändert, obwohl der österreichische Staat einige "diplomatische Knüppel" abgelegt habe und inzwischen wisse, dass der "archaische Hass" gegen die slowenische Minderheit nur internationale Entrüstung hervorrufe. Die deutschsprachigen Bewohner Kärntens, die die Vorteile des Lebens an der offenen Grenze zwar gerne genössen, seien aber noch von niemandem aufgerufen worden, ihre alten Vorurteile abzuwerfen und normale zwischenmenschliche Beziehungen herzustellen. Im Gegenteil, die angeblich unerklärliche Antipathie gegen die Slowenen, die "aus der Seele" deutschsprachiger Kärntner kommen solle, werde systematisch aufrecht erhalten und aufpoliert, wenn der Verdacht entstehe, die jüngeren Generationen könnten sich davon trennen.

"Delo" schließt mit den den Worten: "Durch einige Jahrzehnte hatte man in Kärnten keine demokratische Möglichkeit für das richtige Kennenlernen der Nachbarn. Jetzt gibt es sie. Wird sich die negative Energie, die sich gegen die slowenische Sprache und die Slowenen zusammenbraut, angesichts des vereinten Europas zur Erkenntnis und Suche nach gemeinsamen Nutzen wenden?" (APA)

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