Haupt trotzt Haider

13. Oktober 2003, 14:54
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Vizekanzler lehnt die aus Kärnten geforderte Regierungsumbildung ab: "Töricht", das Spiel jetzt nicht zu Ende zu bringen - Mit Kommentar

Wien/Klagenfurt - Jörg Haider setzt FPÖ-Obmann Herbert Haupt unter Druck. Haider hat zwar erst vor einer Woche angekündigt, bis zur Kärntner Landtagswahl am 7. März nicht nach Wien wechseln zu wollen - das hindert ihn aber nicht daran, massiv die Bundes-FPÖ zu kritisieren. Unter dem Motto "Herbert, so geht es nicht" verlangte Haider in der ZiB eine rasche Regierungsumbildung in den kommenden zwei oder drei Wochen. Sei doch die Koalition in der Gesamtdarstellung schlicht "eine Katastrophe". Haupt ist für Haider zwar "unbestritten" mit der FPÖ-Führung vertraut. Dennoch kann er wenig Positives an der FPÖ finden: Die bisherige Linie sei "wenig erfolgreich", die FPÖ brauche eine Erneuerung an "Haupt und Gliedern".

Schon vergangenes Wochenende waren Gerüchte über eine Regierungsumbildung kursiert. An der Gerüchtebörse waren Gesundheitsstaatsekretär Reinhart Waneck und Sportstaatssekretär Karl Schweitzer als Ablösekandidaten gehandelt worden, Infrastrukturminister Hubert Gorbach als Vizekanzlerkandidat.

Gerüchte über Regierungsumbildung

Schon damals hatte FPÖ-Chef und Vizekanzler Herbert Haupt alle Gerüchte über eine Regierungsumbildung energisch zurückgewiesen. Das tat er nun auch nach Haiders Vorstoß wieder. Er schließe eine rasche Regierungsumbildung aus, tönte Haupt. Viel wichtiger sei derzeit, das blaue Regierungsteam und die Partei straffer zusammenzuführen: "Wenn das erledigt ist, können wir weiterreden."

Auch das Koalitionsklima findet Haupt nicht so schlecht wie Haider: "Wir sind arbeitsfähig und werden unser Arbeitsprogramm beenden." Schon gar nicht steht für Haupt ein vorzeitiges Ende der Koalition zur Debatte: "Wir haben das, was die Bevölkerung nicht goutiert hat, umgesetzt. Es wäre töricht, jetzt aufzugeben und die Ernte nicht nach Hause zu bringen."

"Wie vereinbart"

Infrastrukturminister Gorbach wollte Haiders Regierungsumbildungsgelüste Sonntag "nicht öffentlich kommentieren". Gorbach meinte im STANDARD-Gespräch, dass FP-intern, wie vereinbart, die Ergebnisse der Landtagswahlen in Oberösterreich und Tirol "genau und unter Einbindung von externen Experten analysiert und dann die Schlüsse gezogen werden. Zurufe präjudizieren nur die Ergebnisse." Haider "macht sich wohl Sorgen um die Partei", er, Gorbach "werde sicher nicht laut nachdenken. Das heißt aber nicht, dass es falsch ist, was Haider sagt. Genauso wenig wie es umgekehrt bedeutet, dass Haupt, zu dem ich völlig loyal stehe, nicht nachdenkt", sagte Gorbach.

Die Klassifikation der Koalition als "Katastrophe" gefalle ihm nicht, da Katastrophen "unbeeinflussbar" seien, Regierungsarbeit aber sehr wohl. Es sei eine Tatsache, dass man nachdenken müsse, "wo es Verbesserungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten gibt". (eli, nim/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2003)

Kommentar

Haupt in der Doppelmühle - Von Eva Linsinger

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    Haider will Reform an "Haupt und Gliedern"

  • Links im Bild: Ex-FP-Trainer Jörg Haider, zurzeit auf der Ersatzbank, jederzeit einsatzbereit. Rechts im Bild: Aktueller Inhaber der Trainerlizenz für die FP-Mannschaft: Herbert Haupt.
    foto: standard/ matthias cremer

    Links im Bild: Ex-FP-Trainer Jörg Haider, zurzeit auf der Ersatzbank, jederzeit einsatzbereit.
    Rechts im Bild: Aktueller Inhaber der Trainerlizenz für die FP-Mannschaft: Herbert Haupt.

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