US-Schriftstellerin Sontag nennt Schwarzenegger schlechten Witz

13. Oktober 2003, 19:39
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"Nun ist er Realität" - Kritik an US-Regierung: "Anfang eines Imperiums"

Frankfurt - Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag hat den Sieg des Schauspielers Arnold Schwarzenegger bei den Gouverneurswahlen im US-Bundesstaat Kalifornien als "schlechten Witz" bezeichnet. Sontag, die in den USA wegen ihrer heftigen Kritik an der Reaktion der US-Regierung auf die Anschläge vom 11. September Empörung ausgelöst hatte, sagte am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse, die Kalifornier täten ihr leid. "Ich habe geglaubt, Schwarzenegger sei ein schlechter Witz, aber nun ist dieser schlechte Witz Realität." Der ehemalige Bodybuilder aus Österreich war in der vergangenen Woche zum Gouverneur des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates gewählt worden.

Die diesjährige Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels machte ihrem Ruf, mit deutlichen Worten und Kritik an der amerikanischen Politik nicht hinter den Berg zu halten, alle Ehre. Die US-Regierung unter dem aus Texas stammenden Präsident George W. Bush sei imperialistisch und habe einem halben Jahrhundert Multilateralismus den Rücken gekehrt, sagte die 70-Jährige. "Es ist wirklich das Ende der Republik und der Anfang eines Imperiums."

Unbescheiden genug

Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels wird am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche an die streitbare Schriftstellerin verliehen. Sontag sagte, sie glaube nicht, das sie den Preis aus politischen Gründen erhalte. "Ich bin unbescheiden genug zu glauben, dass ich auch, wenn ich die letzten zwei Jahre mich nicht gegen Bush ausgesprochen hätte, die Auszeichung bekäme." Sontag, die mit kunst-, kultur- und zeitkritischen Essays, aber auch Romanen und Theaterstücken bekannt wurde, ist die 54. Trägerin des mit 15.000 Euro dotierten Preises. (APA/Reuters)

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    Susan Sontag kritisiert die Wahl Schwarzeneggers zum Gouverneur

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