Gegen Gewalt gegen Frauen

16. Oktober 2003, 07:00
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Was internationale Organisationen und westliche Länder gegen die weibliche Verstümmelung tun

Heute verurteilen eine Reihe von internationalen Organisationen die Gräuel der Genitalverstümmelung, unter denen Millionen Mädchen und Frauen zu leiden haben. Das war jedoch lange Zeit nicht der Fall. Die Weltgesundheitsorganisation - WHO - weigerte sich viele Jahre hindurch, sich mit der Frage zu befassen. Noch 1958 stellte sie sich auf den Standpunkt, derartige Operationen hätten "soziale und kulturelle Hintergründe" und fielen deshalb nicht in ihren Zuständigkeitsbereich. Heute gehört die WHO zu den vehementesten Verurteilerinnen. Genauso begann die UNICEF erst 1980 mit Aktionen, die sich nun für die Unterstützung nationaler Initiativen ausspricht und mit dem "Interafrikanischen Komitee gegen traditionelle Praktiken" kooperiert, das 1984 gegründet wurde und in 26 Ländern vertreten ist.

Terre des Femmes

Terre des Femmes, ein deutscher Verein, begann bereits Anfang der 80er-Jahre, Genitalverstümmelung als schwere Menschenrechtsverletzung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu verurteilen. Die gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Frauen und Mädchen fordert die westlichen Staaten auf, Frauen, denen in ihrer Heimat die Verstümmelung droht, Asyl zu gewähren, Entwicklungsgelder für Aufklärungsprojekte bereitzustellen, Regierungshilfen für die Länder einzuschränken, die nichts gegen Genitalverstümmelung unternehmen bzw. diese auch noch unterstützen. Unterstützungsmöglichkeit: Email.

UNO

1993 prangerten die Vereinten Nationen erstmals die Genitalverstümmelung in einem internationalen Dokument als Gewalt gegen Frauen an. In den USA trat 1997 ein Gesetz in Kraft, das es Ländern mit der Praxis erschweren bzw. unmöglich machen soll, Geld von der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds zu erhalten. Ausgelöst sei diese Initiative von einem Fall in Togo geworden: eine Frau hatte in den USA um Asyl angesucht, dem erst nach einem Jahr Haft und mehreren Prozessen stattgegeben worden ist. Seither wird die drohende Beschneidung einer Frau in den USA als Asylgrund anerkannt.

Verbote in Industrieländern

In den Australien (1994), Großbritannien (1985), Kanada (1997), Neuseeland (1995), Norwegen (1995), Schweden (1982), Vereinigte Staaten von Amerika (1996) ist FGM gesetzlich untersagt. In Deutschland wird die weibliche Beschneidung als schwere Körperverletzung mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Es wurde geschätzt, dass hier jährlich bis zu 20.000 Mädchen beschnitten werden, ähnlich wie in Großbritannien und Frankreich. In Österreich wurde wegen drohender Genitalverstümmelung bereits zwei Mal Asyl gewährt. Detaillierte Informationen unter profrau und SPÖ-Frauen.

Verbote in afrikanischen Ländern

Benin (2003), Burkina Faso (1996), Elfenbeinküste (1998), Djibouti (1994), Ghana (1994), Guinea 1965, Kenia (2001), Senegal (1999), Tansania (1998), Togo (1998), Zentralafrikanische Republik (1966). Seit 1998 ist auch in Ägypten, wo 97 Prozent der Frauen betroffen sind, die weibliche Genitalverstümmelung per Gesetz verboten. Islamische Gelehrte hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Verstümmelung der Geschlechtsteile unislamisch sei. Nichts desto trotz versuchen islamistische Gruppen auch heute noch, die Praxis der Beschneidung gerichtlich durchzusetzen, denn "die sexuelle Lust der Frauen" soll gemindert und deren eheliche Treue gestärkt werden.

Es gebe keine Rechtfertigung für einen solchen Eingriff, weder religiös, noch kulturell, lautete der Parlamentsbeschluss für Menschenrechte in Lomé/Togo. In Togo, wo zwei Drittel der Frauen genital verstümmelt sind, sind seit 1998 Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren und Geldstrafen bis zu EUR 1500 vorgesehen.

Offiziell verboten ist die weibliche Beschneidung in Guinea schon seit 1965. Obwohl eine Ahndung mit Todesstrafe vorgesehen ist, bleibt das Gesetz wirkungslos. Nach wie vor sind 98,6 Prozent der guineischen Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren beschnitten. Die Regierung versucht gemeinsam mit NGO’s gegen die uralte Tradition anzukämpfen und Aufklärungsarbeit zu leisten. (dabu)

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    Seit den 80er-Jahren setzten sich internationale Organisationen und verschiedene Vereine gegen FGM ein.
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