Neue Vorwürfe gegen Deutsche Bank-Manager

17. Oktober 2003, 10:56
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Anzeige gegen Ackermann und Breuer wegen Betrugs bei Verkauf der Versicherungsfirma Deutscher Herold

Düsseldorf - Die Deutsche Bank hat ein weiteres Ermittlungsverfahren am Hals. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte am Samstag einen Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel", wonach wegen Betrugs und Untreue gegen Vorstandssprecher Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Rolf Breuer ermittelt wird. Hintergrund ist demnach der Verkauf der Versicherungsfirma Deutscher Herold an die Zurich Financial Services im April 2002. Ackermann ist in Düsseldorf bereits wegen der Mannesmann-Affäre angeklagt.

Ein Lebensversicherungs-Kunde des Deutschen Herold habe Anzeige erstattet, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Johannes Mocken. Der in Düsseldorf lebende Mann werfe der Bank vor, dass bei dem Verkauf Vermögenswerte rechtswidrig verwendet wurden. Außerdem sei dem Versicherungsnehmer zufolge der Unternehmenswert des Deutschen Herolds stark gesunken.

Mocken betonte, dass die Ermittlungen in einem frühen Stadium seien. Die Anzeige liege "noch nicht sehr lange" vor. Die Staatsanwaltschaft wolle zunächst ein Gutachten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abwarten.

Bei dem Milliarden-Geschäft mit dem Schweizer Allfinanzkonzern Zurich Financial Services hatte die Deutschen Bank 2002 im Gegenzug für den Deutschen Herold den US-Vermögensverwalter Scudder erhalten. Laut "Spiegel" geriet die Zürich-Gruppe während des Kaufs in schwere Turbulenzen. Die Renditen bei den Herold-Lebensversicherungen seien im vergangenen Jahr stark gesunken. Ein Sprecher der Deutschen Bank bezeichnete die Vorwürfe dem Magazin zufolge als "aus der Luft gegriffen".

Im bereits laufenden Mannesmann-Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf gegen Ackermann muss dieser seine Anwaltskosten nicht aus eigener Tasche zahlen. "Die Kosten der Verteidigung werden von der Deutschen Bank übernommen", zitierte die "Welt am Sonntag" einen Sprecher des Geldinstituts. Ackermann habe das Aufsichtsratsmandat bei Mannesmann wie schon seine Vorgänger Wilhelm Christians und Hilmar Kopper auf Wunsch der Bank übernommen, sagte der Sprecher demnach weiter.

Experten schätzen die Kosten für die Verteidigung des Bank-Chefs laut "WamS" auf mehrere hunderttausend Euro. Unklar sei, ob der Prozess noch in diesem Jahr beginnt, berichtete das Blatt unter Berufung auf Düsseldorfer Justizkreise. Die Staatsanwaltschaft wirft Ackermann und anderen Managern vor, im Zuge der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone überhöhte Abfindungen genehmigt zu haben. (APA)

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    Neue Anklagen gegen Deutsche-Bank-Manager Josef Ackermann (r) und Rolf E. Breuer.

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