El Sadr will Parallel-Regierung im Irak bilden

12. Oktober 2003, 14:26
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Radikaler schiitischer Kleriker: Das von ihm gebildete "Kabinett" werde einen "neuen, vom Terror freien irakischen Staat führen"

Bagdad - Der radikale schiitische Kleriker Muktada el Sadr hat zur Bildung einer Parallel-Regierung im Irak aufgerufen. Das von ihm gebildete "Kabinett" werde einen "neuen, vom Terror freien irakischen Staat führen", sagte El Sadr laut Medienberichten vom Samstag beim Freitagsgebet in seiner Heimatstadt Kufa bei Najaf. Seine Anhänger forderte er auf, sein Begehren mit "friedlichen Demonstrationen" zu unterstützen.

Derzeit regieren im Irak die amerikanisch-britische Besatzungsverwaltung (CPA) und der von ihr eingesetzte provisorische Regierungsrat. El Sadr, der Sohn eines vom Saddam-Regime 1999 ermordeten populären Schiiten-Führers, lehnt die Besatzung ab und betont immer vehementer den eigenen Führungsanspruch.

Beträchtlicher Einfluss

Sein Einfluss dürfte vor allem unter den Bewohnern der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City beträchtlich sein. Dort waren am Donnerstag bei einem Selbstmordanschlag vor einer Polizeiwache zehn Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht darauf kam es erstmals zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen US-Truppen und El Sadrs Milizen.

Ministerium zur Förderung des Guten und Vermeidung des Bösen

In der Freitagspredigt zählte der radikale Geistliche die Ressorts auf, die sein "Kabinett" beinhalten würde. Darunter war auch ein "Ministerium zur Förderung des Guten und zur Vermeidung des Bösen". Ministerien ähnlichen Namens gibt es auch im schiitischen Iran und im sunnitischen Saudi-Arabien. Sie sind Instrumente zur Durchsetzung des streng klerikalen Charakters dieser Staaten und bedienen sich äußerst repressiver Methoden. (APA)

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    Der radikale Kleriker El Sadr rief beim Freitagsgebiet zur Bildung einer schiitischen Parallelregierung und "friedlichen Demonstrationen" auf.

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