ÖAAB wählt Fritz Neugebauer zum Obmann

13. Oktober 2003, 12:26
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93,1 Prozent für den GÖD-Chef - Nachfolger von Werner Fasslabend - Schüssel will "Loyalität und Gemeinsamkeit nach Außen"

Tulln - Der Arbeiter- und Angestelltenbund der ÖVP, der ÖAAB, hat eine neue Führung: Fritz Neugebauer (59), der Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, wurde beim Bundestag in Tulln am Samstag mit 93,1 Prozent zum neuen Obmann gewählt. Er löst Werner Fasslabend ab. Beim Bundestag wünschte sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) "Loyalität und die Gemeinsamkeit nach Außen". Die demonstrierten die ÖAABler - abgesehen von wenigen Ausnahmen - auch.

"Es braucht Ehrlichkeit im Inneren, ein klares Wort, es braucht aber auch die Loyalität und die Gemeinsamkeit nach Außen", sagte Schüssel und streute dem Arbeitnehmer-Bund Rosen: Um das ganze politische Spektrum abzudecken, brauche er den "wie keine andere Organisation".

Unterstützung für Schüssel

Neugebauer demonstrierte zwar Unterstützung für Schüssel, deutete aber auch ein wenig Abgrenzung an. Zwar attestierte er dem VP-Chef, als "Staatsmann an die nächsten Generationen" zu denken. Aber er merkte auch an: Wenn die Politik von den Menschen so weit weg sei, dass die Menschen nicht in der Lage seien zu folgen, "dann haben wir etwas falsch gemacht".

Der nach sechseinhalb Jahren scheidende Fasslabend verteidigte - ganz im Sinne Schüssels - seinen Konsens-Kurs: "Jedem, der nur nach außen schimpft, muss auch klar sein, dass er die Partei und damit auch diese Teilorganisation beschädigt." Er sei immer für ein gewisses Maß an Parteidisziplin eingetreten und habe seine Zunge oft zurückgehalten, "auch wenn manchen eine kritische Äußerung da oder dort abgegangen ist".

Seinen Appell, die Kritik an der Mutterpartei nicht zu stark nach außen zu tragen, goutierten allerdings nicht alle. So wetterte der Tiroler AK-Präsident Fritz Dinkhauser, dass "diese Partei keine Kritik mehr verträgt". Über die Koalition mit der FPÖ sagte er: "Was nützt's mir wenn der Haupt noch lebt, aber der Rumpf ist tot. Da liegen ja nur mehr Leichen umeinander."

Ein laut Eigendefinition "einfacher Funktionär, der gleich wieder in der Anonymität verschwinden wird" forderte den ÖAAB zur Unterstützung der Streikenden in der AUA auf. Dass ein Staatsbetrieb mit einer gerichtlichen Verfügung gegen Betriebsversammlungen vorgehe, sei nicht akzeptabel.

Nach eigenen Angaben "durch Weisung der ÖAAB-Führung" nicht beim Bundestag dabei war ein weiterer kritischer ÖAABler, der niederösterreichische AK-Präsident Alfred Dirnberger. Also forderte seine Kollegen per Aussendung auf, sich vom Schüssel-Kurs zu emanzipieren: "Habt den Mut, stellt euch entschieden gegen das autoritäre Gehabe von oben, das nun nachweislich so viel Murks produziert hat."

Neugebauer schnitt bei der Wahl mit 93,1 Prozent deutlich schlechter ab als sein Vorgänger: Fasslabend hatte 1997 98,2 Prozent und bei seiner Wiederwahl 1999 98,45 Prozent der Delegiertenstimmen bekommen.

Die Stellvertreter wurden mit zwischen 96 und 98 Prozent gewählt. Mit einer Ausnahme: Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bekam nur 89,5 Prozent. Vier Stellvertreter wurden wiedergewählt: Gehrer, die beiden VP-Abg. Ridi Steibl und Michael Spindelegger und der Oberösterreicher Franz Hiesl. Dazu kamen zwei neue Stellvertreter: PVA-Mitarbeiterin Christina Götz und die Tyrolean Airways Betriebsrätin Martina Gstaltmayer.

Neuer Generalsekretär wird ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon. Er folgt in dieser Funktion Walter Tancsits nach, der ÖVP-Sozialsprecher im Nationalrat bleibt. (APA)

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    Fritz Neugebauer wird heute zum Obmann des größten Bundes innerhalb der ÖVP gewählt.

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