Mobilfunk-Sender sollen doch nicht gesundheitsgefährdend sein

15. Jänner 2000, 14:38

Bürgerinitiativen kritisieren Studie - Einem: "Sorgen trotzdem ernst nehmen"

Wien - Eine Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunk ist wissenschaftlich bisher nicht nachweisbar. Das ist das Ergebnis einer vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

"Wenn es eine solche Gefahr überhaupt gibt, so ist sie jedenfalls sehr gering", sagte Studienautor Jiri Silny bei einer Präsentation am Freitag in Wien. Belastungen durch Basisstationen in Österreich würden zudem durchschnittlich bei einem Tausendstel des gesetzlichen Grenzwerts liegen.

Stärkste Felder durch Handys

Silny räumte ein, dass es auch immer wieder Studien gebe, in denen über einen Zusammenhang zwischen starken elektromagnetischen (EM) Feldern und bestimmten Krankheiten - etwa Krebs - berichtet werde. "Allerdings ist es bisher noch nie gelungen, diese Untersuchungen zu wiederholen und zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen", betonte Silny.

Aber genau diese Wiederholbarkeit sei ein entscheidender Faktor für die Aussagekraft von wissenschaftlichen Studien. Wirklich nachgewiesen sei bisher nur, dass es durch EM-Felder im Bereich des österreichischen Grenzwertes zu Störungen von künstlichen Herzschrittmachern und jenseits des Grenzwertes zu einer Erwärmung von biologischem Gewebe komme. Der Grenzwert von je nach Frequenz zwischen einem und sechs Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter wurde so gewählt, dass der Erwärmungseffekt nicht zum Tragen kommt.

In der aktuellen Aachener Studie "Exposition der Allgemeinbevölkerung durch hochfrequente elektromagnetische Felder - Plausibilität der gesundheitlichen Bedenken" wurde auch die durchschnittliche Belastung der Bevölkerung durch die Strahlung ermittelt. In Zusammenarbeit mit mehreren österreichischen Forschungseinrichtungen - darunter die Austrian Research Centers Seibersdorf (ARCS) und das Technische Gewerbemuseum (TGM) - wurde festgestellt, dass die höchste Strahlung beim Telefonieren mit einem Handy auftritt.

Schwere gesundheitliche Belastung sei auszuschließen

"Die Leistung eines Handys ist zwar nicht so hoch, dafür aber die Entfernung zum Körper sehr gering", so Silny. Dadurch würde der Mensch einem Feld ausgesetzt, das in der Stärke bis zum in Österreich geltenden Grenzwert reiche. Wesentlich geringer - um den Faktor 1.000 - sei dagegen die durchschnittliche Belastung durch die Mobilfunk-Sendeanlagen. Auch sei die Belastung durch die Mobilfunk-Sender schwächer als beispielsweise durch UKW- oder Fernsehsender.

Eine schwere gesundheitliche Belastung durch den Mobilfunk ist nach Ansicht von Silny mittlerweile auszuschließen. Dazu sei die Technologie mittlerweile zu weit verbreitet, die Auswirkungen müssten bereits augenfällig sein. Eine "geringe Gefahr für die Gesundheit" - welcher Art auch immer - könne man dagegen prinzipiell nie ganz ausschließen. "Wir stellen aber fest, dass eine solche Gefahr bisher nicht nachgewiesen werden konnte", so der Wissenschafter.

Einem kündigt mehr Transparenz bei Errichtung von Sendeanlagen an

Auch wenn laut der Studie eine Gefahr für die Bevölkerung durch Mobilfunkanlagen zusammenfassend als "sehr unwahrscheinlich" eingestuft wird, plädierte Wissenschaftsminister Caspar Einem dafür, "die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen". Einem kündigte ein neues Telekom-Gesetz an - es soll Ende des Monats in Begutachtung gehen - wonach neue Mobilfunk-Sendeanlagen vor der Bewilligung im Internet bekannt gemacht werden müssen.

Auch sollten Mieter in einem Haus, auf dem eine Sendeanlage installiert wird, von der Hausverwaltung darüber informiert werden, so Einem. Ansonsten empfiehlt der Minister Menschen, die Angst vor EM-Strahlung hätten, aufs Telefonieren mit einem Handy zu verzichten. Schließlich sei die durchschnittliche Belastung in einem Wohnhaus durch eine Mobilfunk-Sendeanlage in 24 Stunden vergleichbar mit drei Sekunden telefonieren.

Plattform "GSM-Initiative" kritisiert Studie

Kritik an der Studie äußerten Vertreter von Bürgerinitiativen, darunter Eva Marsalek von der Plattform "GSM-Initiative". Sie warf den Verantwortlichen vor, dass sie Studien negieren würden, die sehr wohl eine gesundheitliche Belastung durch den Mobilfunk feststellten. Außerdem würden meist Techniker mit der Durchführung von Untersuchungen beauftragt, die medizinische Seite käme dabei zu kurz, so Marsalek. "Ein Hohn" sei auch die Ankündigung, geplante Sendeanlagen über das Internet anzukündigen. Damit seien alle jene von der Information ausgeschlossen, die über keinen Zugang zum Web verfügten.

"Stimmt nicht", konterte Jiri Silny. Auch in der aktuellen Studie seien Mediziner eingebunden gewesen. Aussagen ausschließlich von Technikern zum Thema Gesundheitsgefahr durch Mobilfunk seien mittlerweile undenkbar, so der Wissenschafter.

(APA)

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