Türkei: Spektakulärer Vergewaltigungs-Prozess

29. Oktober 2003, 13:50
13 Postings

Insgesamt 405 Soldaten angeklagt - Anwalt der Kurdin: "Kein Einzelfall"

Diyarbakir - Ein türkisches Gericht hat ein Verfahren gegen mehr als 400 türkische Soldaten wegen der Vergewaltigung einer inzwischen in Deutschland lebenden Kurdin eröffnet. Die 31-jährige Frau, die in Deutschland Asyl erhielt und in Bochum lebt, wurde den Angaben nach in der kurdischen Provinz Mardin mehrfach mit verbundenen Augen vergewaltigt und misshandelt. Das Gericht eröffnete daher gegen alle 405 Männer Verfahren, die zu den Tatzeiträumen in zwei Lagern in der Region stationiert waren. Nach der Anhörung vertagte die Kammer das Verfahren zunächst auf den 5. November, wie der Anwalt der Klägerin, Reyan Yalcindag, sagte.

Die Kurdin, die als S.E. bezeichnet wird, wurde nach eigenen Angaben im November 1993 sowie im März und August 1994 von Paramilitärs gefangen genommen und jedes Mal gefoltert und vergewaltigt. ÄrztInnen bestätigten ihre Vorwürfe. Nach den letzten Misshandlungen sei sie neun Tage lang bewusstlos gewesen. S.E. sei niemals wegen eines Verbrechens angeklagt worden, hieß es.

Kein Einzelfall

"Wir betrachten diesen Fall nicht als Einzelfall", sagte Yalcindag. Vorrangiges Ziel sei die Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Der Armee werden zahlreiche Fälle von Folterung und Vergewaltigung vor allem im 15-jährigen blutigen Konflikt mit kurdischen Rebellen vorgeworfen. Türkische Sicherheitseinheiten seien allerdings noch nie wegen Vergewaltigung verurteilt worden, obwohl viele solcher Verfahren vor Gericht eröffnet worden seien, sagte Yalcindag. (APA)

Share if you care.