Zwei Aufräumer

20. Oktober 2003, 20:18
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Versuche, Profit aus Arnold Schwarzeneggers Besenritt auf den Gouverneurssessel von Kalifornien zu schlagen - Eine Kolumne von Günther Traxler

Personen des heimischen öffentlichen Lebens werden in der nächsten Zeit einiges daransetzen, von Arnold Schwarzeneggers Besenritt auf den Gouverneurssessel von Kalifornien zu profitieren. Das hat sich in den letzten Tagen sattsam angekündigt. In einem Land, in dem ein als Patriotismus sich ausgebender Provinzialismus notorisch auf alles stolz ist, wozu er selber nichts beigetragen hat, was sich aber gut für eigene Zwecke nutzen lässt, wie die Berge, der Mozart Wolferl oder eben eine steirische Eiche, kommt das nicht überraschend.

Dabei hat gar nicht gestört, dass Schwarzeneggers politisches Programm über die bei allen Rechtspopulisten beliebte Ankündigung, er werde aufräumen, kaum hinausgegangen ist - ganz andere Saubermänner mit ähnlichem Tiefgang erfreuten sich hier schon vor Jahren eines beträchtlichen Zulaufes. Dass die späte Erinnerung an Arnies theoretische Bewunderung für Adis Geist und seine praktizierte Bewunderung für weibliche Körper nur eine Schmutzkübelkampagne zum Zwecke der Ausgrenzung eines politischen Hoffnungsträgers sein konnte, war hier rasch durchschaut.

Schließlich hat man im kleinen Österreich dem mächtigen Kalifornien einiges an diesbezüglichen Erfahrungen voraus, und manches, was der neue Gouverneur von Kalifornien nun vor sich hat, hat etwa der alte Landeshauptmann von Kärnten schon hinter sich. Auch er hat einmal vom großen Aufräumen gesprochen. Und heute? Heute wäre er schon froh, wenn er den für nächsten März angesagten Recall überlebt. Denn von seinen Drohungen aufzuräumen, ist fürs Erste eine Partei geblieben, die von den Wählern abgeräumt wurde, und sein Versprechen, einfach ehrlich, einfach er zu sein und die Wähler nicht zu enttäuschen, hinterließ jede Menge Enttäuschter.

Aber jetzt hat er sich wieder etwas einfallen lassen. Als echter Wohltäter seiner Heimat lässt er sich nicht lumpen und will seinen ohnehin zu Schwermut neigenden Landsleuten einen Liebling des Fernsehpublikums samt seiner Sendung "Wetten, dass?" kaufen. Diese soll eine Woche vor den Landtagswahlen über die Bühne Klagenfurts gehen und dem Landeshauptmann die Gelegenheit geben, im Rahmen dieser Veranstaltung den Dank des Kärntner Vaterlandes entgegenzunehmen.

Die Sache erinnert ein wenig an die altrömische Tradition, Vermögen zu verschwenden, um durch prächtige Spiele zur rechten Zeit die stets schwankende Gunst des Volkes zu gewinnen. Aber wenn hier von einem Kauf dieses Events - wie Zirkusspiele heute genannt werden - die Rede war, dann soll das nicht die Befürchtung nähren, Jörg Haider müsste Teile seiner Latifundien abholzen lassen, um das Geld für Thomas Gottschalk zusammenzukratzen. Für zwei Drittel der 150.000 Euro, die der Circus minimundus verlangt, soll das Land Kärnten, für ein Drittel Klagenfurt aufkommen. Non olet.

Das wäre nur gerecht, wollen ihn doch die Veranstalter von ZDF und ORF von einem Bühnenauftritt - sein Schicksal! - ausgrenzen mit dem Hinweis, es handle sich um eine Unterhaltungssendung und keinen Wahlwerbespot. Dafür, dass er lediglich günstig platziert aus der Menge des Publikums heraus in die Fernsehkameras winken und sich so auf höchst bescheidene Weise als der große Gönner zu erkennen geben darf, soll er auch noch den Wahlkampffonds seiner Partei angreifen? Ihren Jörg für ein paar glückliche Stunden unter sich zu haben, das müsste den Kärntner Wählerinnen und Wählern schon ein wenig von ihrem Steuergeld wert sein.

Was kann dann der Gönner dafür, wenn der eine oder andere unentschlossene Wähler sich doch noch - wetten, dass! - für ihn entschließt, hingerissen von so viel Liebe zu den Kärntner Menschen? (DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.10.2003)

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