Keine Glacéhandschuhe für Wesley Clark

12. Oktober 2003, 21:05
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General leidet an Profilierungsproblemen - Kritik wegen seiner Aussagen zum Irakkrieg

New York - Von den Glacéhandschuhen, mit denen Neuankömmling Wesley Clark bei seiner ersten Fernsehdebatte Ende September von Mitstreitern um die demokratische Präsidentschaftskandidatur angefasst wurde, war bei der zweiten Debatte in Arizona nichts mehr zu sehen: Die nach dem Ausscheiden von Senator Bob Graham mittlerweile neun verbliebenen Kandidaten griffen den ehemaligen Viersternegeneral heftig an. Grund dafür war offenbar, dass er sich in Umfragen mit einem Vorsprung von fünf Prozentpunkten vor Howard Dean, den Gouverneur von Vermont, und Senator John Kerry an die Spitze katapultiert hat.

Clark wurde vor allem wegen seiner Aussagen zum Irakkrieg angegriffen, die für seine Gegner nicht konsistent sind. Senator Joseph Lieberman meinte etwa, die Amerikaner bräuchten "einen Kandidaten, der zu einer Meinung kommt und den Mut hat, dabei zu bleiben." Clark musste aus der Defensive agieren: Er habe Bush nicht gewählt und sei von Anbeginn jedenfalls gegen einen Krieg gewesen, wie er dann von der Bush-Regierung geführt worden sei.

Obwohl Clark im Mittelpunkt des Interesses stand, gelang es ihm während der Debatte nicht, sich so zu profilieren, wie viele Demokraten es erhofft hatten: keine überlebensgroße Heilsfigur also, sondern einstweilen nur einer von vielen anderen versierten Kandidaten. Auch sein Appell, es sei "peinlich", dass sich eine Gruppe von Kandidaten gegenseitig attackierten, anstatt sich auf das gemeinsame Ziel, die Führungsgruppe im Land abzulösen, zu konzentrieren, blieb ungehört.

Was die restlichen Kandidaten betrifft, sind sie in den Umfragen immer noch weit abgeschlagen: Der Bürgerrechtler Al Sharpton bringt es auf sechs Prozent, Exsenatorin Carol Moseley-Braun auf vier, Senator John Edwards und Kongressabgeordnete Dennis Kucinich auf je zwei. (DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.10.2003)

Von Susi Schneider
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    Bei seiner zweiten Fernsehdebatte musste sich General Wesley Clark gegen schärfere Angriffe wehren.

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